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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 5 · p. Seite 215

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 5
Article
Max Webers Soziologie des antiken Judentums
Date
1925-01-01
Page
Seite 215 (sequence 21)
Language
German
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215 den Erzählungen die uns vorliegende Form gegeben haben. Das schließt eine soziologische Erklärung nicht aus. Die ,weltliche Orientierung der Politik der Königszeit führte dazu, daß die bisherige Verbindung religiösen und kriegerischen Geistes sich löste. Im Gegensatz zu dem Selbstbewußtsein der herrschenden Schicht wird jetzt die gottergebene Demut zum hervorstechenden Merkmale des Frommen. In den Erzählungen von der Eroberung Kanaans wird die kriegerische Aktivität des Volkes zurückgedrängt und stärker noch als früher werden alle Siege allein dem Eingreifen Gottes zugeschrieben. Die Prägung der Erzvätergestalten ist nur ein Zug dieser umfassenderen Wandlung. Prinzipiell liegt das in der Linie der Weberschen Gedankenrichtung und befreit seinen Gedanken nur von seiner zu engen und einseitigen Fassung, die aus dem Bestreben einer unmittelbaren Ableitung der religiösen Ideen aus den sozialen Zuständen entspringt. Für den weiteren Verlauf der Entwicklung hält sich Weber selbst, wie bereits vorhin bemerkt, von der unmittelbaren Ableitung des Religiösen aus dem Sozialen fern. Die Träger der weiteren Entrwicklung sind ihm zunächst die Leviten, dann die Propheten. Die Leistung der Leviten sieht Weber vor allem in der Fortentwicklung der religiösen Ethik. Der Grund, der ihn dazu veranlaßt, ist offensichtlich der, daß die Propheten den Inhalt der Ethik nicht neu schaffen, sondern im Wesentlichen an gegebene ethische Vorstellungen anknüpfen, die aber nicht, wie Troeltsch meint, auf der Stufe primitiver bäuerlicher Nachbarnethik stehen, sondern inhaltlich und formell so hoch entwickelt sind, daß sie nur das Produkt einer ,,Intellektuellenschicht'' sein können. In der Hauptsache sieht Weber die ethische Leistung der Leviten in drei Momenten. Was den materiellen Inhalt der Ethik anlangt, so sind sie die Schöpfer der sozialen und charitativen ethischen Forderungen. Für sie rechnet er auf Grund eines reichen Parallelenmaterials mit der Möglichkeit ausländischer besonders ägyptischer Einflüsse, eine Annahme, deren Nachprüfung durch die Spezialforschung dringend erwünscht wäre, hebt aber die ganz andere Bedeutung hervor, die diese Vor- Schriften innerhalb der jüdischen Ethik gewinnen (S. 271—280). Daneben haben sie innerhalb der göttlichen Forderungen, auf deren Erfüllung nach altisraelitischer Vorstellung die Beziehung Gottes zu Israel beruht, den ethischen Normen den unbedingten Primat gegenüber allen kultischen Vorschriften verschafft. Endlich haben sie die ethischen Vorschriften systematisiert und sie zugleich als Ausdruck einer einheitlichen im Gehorsam gegen Gott wurzelnden Gesinnung gedeutet (S. 231—238, 250—255). In Verbindung mit der früher erwähnten Rationalisierung der religiösen Vorstellungen ergibt das die Grundzüge des ethischen Monotheismus, der den an sich auch anderwärts auftretenden ethischen Forderungen dadurch eine einzigartige Wucht gibt, daß sie zum eigentlichen Inhalt des Bundes zwischen Gott und Israel werden und das Schicksal des Volkes unter Ausschluß aller magischen Momente allein von ihrer Befolgung abhängt. Diese von den Propheten bereits Vorgefundene Form des ethischen und religiösen Bewußtseins verlangt, wie bereits gesagt, eine vorprophetische Führerschicht, die sie geschaffen hat. Daß

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