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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 5 · p. Seite 213

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 5
Article
Max Webers Soziologie des antiken Judentums
Date
1925-01-01
Page
Seite 213 (sequence 19)
Language
German
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213 stellt, sie mit ihren Uriheilsweissagungen bedroht und darum selbstverständlich nur unentgeltliche Prophetie sein kann. Selbst eine Einzelprophetie solchen Charakters wäre aber ohne ganz bestimmte politische Voraussetzungen nicht möglich gewesen. In den rein bürokratischen Monarchieen des Orients wäre sie gewaltsam unterdrückt worden. Daß die Propheten in Israel trotz aller Verfolgungen gegen König und Adel auftreten können und selbst zu einem politischen Machtfaktor werden, ist nur darum möglich, weil hier die Macht zwischen König und Patriziat geteilt ist und sich mmer wieder fromme Patriziergeschlechter finden, an denen sie einen Rückhalt haben. (S. 209, 284—285, 293). Auch auf kultischem Gebiet sind die Wirkungen der veränderten Verhältnisse der Königszeit deutlich. Die großen Zentralheiligtümer in den Königsresidenzen sind in der Hand der Könige und werden ihren Absichten gemäß geleitet. Dieser von politischen Interessen beherrschte offizielle Kult neigt zu Verschmelzungen erst mit kananitischen, dann mit auswärtigen Kultformen. Der Adel nimmt teils an diesen Bestrebungen teil und ist teils von der auch sonst in kriegerischen Aristokratieen anzutreffenden Gleichgiltigkeit in religiösen Dingen beherrscht. Der Sitz der strengen Gläubigkeit verlegt sich so großen Teils in Kreise, die im Gegensatz zu Hof und Adel stehen und die auch den offiziellen Kultus mit Mißtrauen betrachten. Im Gefolge der sozialen Gegensätze entsteht so auch eine scharfe Gegensätzlichkeit religiöser Art. Daß das alles auch die Entwicklung der religiösen Ideen beeinflüssen muß, liegt auf der Hand. Das religiöse Denken sah sich vor ganz neue Probleme gestellt, die weit über das unmittelbare mit den wirtschaftlichen Veränderungen zusammenhängende Gebiet der Wirtschaftsethik hinausreichten und zu neuer Schärfe gelangten, als zu den innerpolitischen Krisen die Bedrohung der Existenz Israels durch die benachbarten Großmächte hinzutrat. Schon die eben berührte Tatsache, daß die sozialen Gegensätze aiich die Stellung zur religiösen Tradition beeinflussten, und daß die genuine israelitische Frömmigkeit ihren hauptsächlichen Sitz jetzt in bestimmten sozialen Schichten hatte, war geeignet, den Charakter dieser Frömmigkeit selbst umzubilden. Weber schreibt diesen Faktoren in der Tat einen erheblichen Einfluß auf die Entwicklung der religiösen Vorsteilungsweit Israels zu. Aber er lehnt es mit Entschiedenheit ab, die religiösen Ideen einfach als Reflexe wirtschaftlicher Interessen und Bedürfnisse zu deuten. Nur an einem Punkt der Entwicklung macht er eine bestimmte wirtschaftliche Schicht unmittelbar zum Träger der religiösen Umbildung. Sonst sind ihm die Schöpfer der neuen religiösen Ideen religiöse Führergruppen, die persönlich abseits von den Klassengegensätzen stehen und zentral nicht von sozialen urid politischen, sondern von religiösen Motiven beherrscht sind. Die sozialen Veränderungen wirken auf sie nur in dem Sinne ein, daß sie sie zu neuen Fragestellungen führen und daß das Erlebnis der sozialen Problematik der Ausgangspunkt neuer religiöser Vor- Stellungen wird. Die im Gegensatz zu König und Patriziat stehenden wirtschaftlichen Schichten nehmen dann allerdings an der religiösen Bewegung insoweit teil, daß sie sich dem Einfluß der neuen Ideen

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