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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 5 · p. Seite 212

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 5
Article
Max Webers Soziologie des antiken Judentums
Date
1925-01-01
Page
Seite 212 (sequence 18)
Language
German
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212 den Ursprung für den ganzen Inhalt der Gottesvorstellung zu suchen. Primäre Quelle für den Inhalt der Gottesvorstellung können nur bestimmte religiöse Erfahrungen sein, in denen das Gottesbewußtsein und. das in der Bundesvorstellung ausgeprägte Bewußtsein von der Beziehung Gottes zu den Gläubigen gemeinsam wurzeln. Die über dieses Anfangsstadium israelitischer Religiosität Linausführenden Kräfte sieht Weber keineswegs ausschließlich auf sozialem und politischem Gebiet, Zu wesentlichem Teil sieht er in der religiösen Entwicklung Israels das Ergebnis einer Rationalisierung der ursprünglichen religiösen Vorstellungen. Sie erfolgt seiner Meinung nach unzweifelhaft unter dem Einfluß der umgebenden großen Kulturen, allein nicht in der Form, daß deren religiöse Konzeptionen von Israel übernommen werden. In sehr fein abwiegender Untersuchung zeigt Weber vielmehr, wie die israelitische Religiosität in den zentralen Fragen sowohl zu der aegyptischen, wie trotz mancher ,Einzeleinflüsse, auch zu der babylonisch-assyrischen in ausgesprochenem und bewußtem Gegensätze steht und der Vergleich mit den genannten Religionen bietet ihm Gelegenheit, die Eigenart der israelitischen Religion sehr prägnant herauszuarbeiten (S. 212-219). Der. Einfluß der fremden Kulturen äußert sich gerade darin, daß er die israelitischen ,,Intellektuellen‘ז nötigt, ihre eigenen religiösen Vorstellungen so zu entwickeln, daß sie sich den fremden religiösen Anschauungen gegenüber zu behaupten im Stande sind. Neben diesen Momenten aber hat freilich auch die Veränderung auf sozialen und politischem Gebiet einen tiefgehenden Einfluß auf die religiöse Entwicklung. Der Uebergang von dem Verband der freien israelitischen Bauern- und Viehzüchterstämme zu dem mit den Patriziern verbündeten Fronkönigtum bildet den Wendepunkt auch in der Religionsgeschichte Israels. Sehr einleuchtend, sind die Wirkungen dieses sozialen Umschwünges auf die äußere Gestaltung des religiösen Lebens. Die .in dem alten Bundesheere geltenden Formen religiöser Kriegsführung haben in dem königlichen Heere keinen Platz. Sowohl die charismatischen Führer der vorköniglichen Zeit, die ״Richter“ unserer Tradition״ wie die Kriegsekstatiker, deren hervorstechendsten Typ die Nasiräer darstellen, sind hier unmöglich. Die Entmilitarisierung des Nasiräertums ist die Folge seiner Verdrängung aus seiner ursprünglichen Funktion. Aus ähnlichem Grunde wandelt sich das Wesen der Nabiekstäse. Die (von Weber wohl zu nahe an die Nasiräer herangerückten) in Scharen auftretenden Nebijim der Richterzeit sind, die freien Kriegspropheten des israelitischen Volksheeres. Das Königtum duldet diese freien Kriegspropheten nicht mehr, es macht aus den freien Nebijim die in seinem Dienste stehenden Königspropheten, denen wir unter Ahab begegnen (1 Könige 226). Soweit die freien Prophetengemeinschaften noch bestehen bleiben, verlieren sie ihren politischen Charakter und beschränken sich auf private!Weissagung (S. 102—111). Die freie politische Prophetie tritt nur noch in der Form des individuellen Prophetentums auf, das mit der großartigen Gestalt Elias beginnt und seine klassische Zeit von Arnos bis :Ezechiel hat. Nur in dieser Form ist eine Prophetie möglich', die sich in fücksichtslosen Gegensatz zu den politischen Machthabern

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