Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 5 · p. Seite 210

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 5
Article
Max Webers Soziologie des antiken Judentums
Date
1925-01-01
Page
Seite 210 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829927-2829932-2832716--46291-2832768
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

210 Setzung der gibborim mit den sich selbst equipierenden ritterlichen Wagenkämpfern zweifelhaft und weist darauf hin, daß es unterhalb dieser Schicht noch einen breiteren Kreis Wehrfähiger und Wehrpflichtiger gab. Es zeigt zugleich aber, daß die wirtschaftliche Zersetzung des Bauernstandes noch nicht so weit fortgeschritten War, wie die landläufige Meinung will. Denn selbst wenn man die gibborim mit der Gesamtheit der selbständigen Grundbesitzer identifixiert, bilden sie einen sehr beträchtlichen Bruchteil der Gesamtbeyölkerung des Nordreiches, die mit einer Million Menschen sicherlieh stark überschätzt ist. Gewiß darf man aus dieser isolierten Zahlangabe keine zu weittragenden Schlüsse ziehen. Aber bei dem Maiigel anderweitiger konkreter Nachrichten wird man sich mit der , Feststellung begnügen müssen, daß eine starke Tendenz zur Latifündienbildung und zur Versklavung der Bauern bestand, bezüglich des Umfanges der Entwicklung aber ist ein begründetes Urteil nicht möglich. II. In den bisher besprochenen Grundtatsachen der sozialen und politischen Entwicklung Israels sieht Weber nun die Voraussetzungen für ein soziologisches Verständnis der israelitischen Religionsgeschichte. Den Ausgangspunkt bildet auch hier der Bundescharakter der israelitischen Religion, aus dem Weber im Anschluß an eine Reihe moderner Forscher, vor allem an Budde, die Besonderheit der israelitischen Gottes Vorstellung abzuleiten sucht. Die Tatsache, daß die Beziehung Israels zu seinem Gotte auf einem Akt der Bundes- Schließung zwischen Volk und Gott, und zwar einem dem Volke bis daher fremden Gott beruht, erklärt die wesentlichsten Züge dieser Gottesvorstellüng: seinem primären Charakter nach ist Ihvh Bundeskriegsgott und sozialer Verbandsgott, der kriegerische Helfer des von ihm aus Aegypten befreiten Volkes und der Garant seiner sozialen Ordnung. Daraus folgt negativ das Zurücktreten der Be- Ziehung des Gottes zu bestimmten einzelnen Naturvorgängen und damit der mythologischen Elemente der Gott es Vorstellung. Wenn Jhvh sich gemäß seinem Charakter als Kriegsgott auch besonders in gewissen Naturkatastrophen offenbart, so ist er doch nicht primär der Gott bestimmter Naturvorgänge und nicht einmal des Landes, sondern der von ihm erwählten israelitischen Personengemeinschaft. Das gibt ihm von Hause aus einen gewissen universalen Charakter. Die Eigenart seiner Stellung schloß auch die Zuordnung einer weiblichen Gottheit aus und versperrte damit eine weitere Quelle der Mythenbildung. Positiv ist der Bundesgott Israels einmal ein Gott der Geschichte, d. h. ein Gott, der sich vor allem in politischen Schicksalen offenbart. Das stellt ihn nicht nur zu Naturgöttern in Gegensatz, das Heil, das seine Gläubigen von ihm erwarten, liegt durchaus in der Sphaere des Diesseitigen, nicht in transzendenten Gütern. Als Gott der Geschichte hat er durchaus persönlichen Charakter und ist kein Wesen, mit dem man in mystischer Konternplation eins werden kann. Ein fernerer, damit eng verwandter positiver Zug der Gottesvorstellung ist ihr ethischer Charakter. Das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.