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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 5 · p. Seite 203

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 5
Article
Max Webers Soziologie des antiken Judentums
Date
1925-01-01
Page
Seite 203 (sequence 9)
Language
German
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203 Diese Auffassung scheint sich vielleicht von der Webers mir in unbeträchtlichen Nuancen zu unterscheiden. Die Differenz wird indessen für das Verständnis der weiteren Entwicklung wesentlich; Nach der Teilung des israelitischen Königtums in das Nord- und Südreich hört jede politische Einheit des gesamten Israel auf. Jedes der beiden Reiche hat auch seine eigenen Zentralheiligtümer, soweit von solchen überhaupt geredet werden darf. Dennoch bleibt die alte Einheit Israels bestehen. Sie ist nicht nur Ideal, sondern gegenwärtige Realität. Die Angehörigen beider Reiche wissen sich als Glieder des einen Israel, sie gehören derselben naturhaften Gemeinschaft an, und sind durch den alten Bund mit Ihvh geeint. In der Geschichte der religiösen Ideen und der Ausbildung der geschiehtliehen Traditionen gibt es keine Schranken zwischen beiden Reichen, Weber selbst hebt die Bedeutung der Tatsache hervor, daß der Gott Israels kein Gott des ,,Landes/* sondern ,,der Personengemeinschaft des israelitischen Bundesheeres** ist. (S. 141.) Es ist dem nur. hinzuzufügeii, daß er primär auch kein Gott des Staates ist, sondern, daß Land und Staat der Personengemeinschaft Israels gegenüber durchaus sekundär sind. Sie und nicht der Staat ist auch der Träger der von Gott geheiligten sozialen Ordnung. Diese Personengemeinschaft repraesentiert sowohl in der vorköniglichen Zeit wie nach der Trennung der Reiche die Einheit Israels. Und je schärfer sich die Eigenart der israelitischen Gottesvorstellung herausbildet, je mehr sich die Beziehung von Gott und Israel idealisiert, desto inteiisiver und reicher wird auch das Gemeinschaftsbewußtsein Israels. Auf der prophetischen Stufe der Religion Israels und in den sie vorbereitenden Phasen seiner religiösen Entwicklung begegnet uns zum ersten Male der Gedanke eines religiösen Berufes des Volkes, eines spezifischen religiösen Sinnes, den seine Erwählung durch Gott hat. Damit zugleich entwickelt sich aus dem alten naiven Volksbewußtsein der Gedanke einer nationalen Eigenart in dem spezifischen Sinne, der das moderne Nationalbewußtsein charakterisiert. Vieles spricht dafür, daß hier eine der Wurzeln für die Entwicklung dieser nationalen Idee überhaupt liegt. Freilich bedarf es noch einer genauen Analyse der hierhergehörigen israelitischen Vorstellungen, um diese Zusammenhänge klarzustellen. Ohne weiteres aber ist klar, daß in dem Uebergewicht, das in dem israelitischen Volksbewußtsein das Moment der personalen Gemeinschaft gegenüber Staat und Land hat, die Erklärung dafür liegt, daß die Zerstörung des Staates und die Ablösung vom Lande diese Gemeinschaft unerschüttert läßt. Die Konfessionalisierung Israels und die Entstehung des Diasporaiudentums ist nur möglich, weil die Gemeinschaft von Israel und Ihvh nicht sinnhaft an Land und Staat gebunden ist. Die Daseinsform des nachexilischen Judentums stellt keinen Bruch mit der Vergangenheit dar, sondern paßt nur die Idee des altisraelitischen Volkstums, der auf dem Bunde mit Ihvh beruhenden Volksgemeinschaft, neuen Existenzbedingungen an. Für das soziologische Verständnis der israelitischen Frühzeit, mit der wir es zunächst zu tun haben, ist ebenso wesentlich wie die bisher erörterte Form der Einheit Israels die Beschaffenheit der zu dieser Einheit gehörigen Elemente, die ökonomische und soziale

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