Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Max Webers Soziologie des antiken Judentums
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 200 (sequence 6)
- Language
- German
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200 ־and ökonomische Sicherung gewährt. Die nichtisraelitischen Gast- und, Klientelstämme sind von der israelitischen Bevölkerung auch rituell geschieden und dadurch, wie Weber aus der Erzählung von Sichern und Dina entnimmt, wenigstens von einem ebenbürtigen Cannubium ausgeschlossen. Dieses MetökenVerhältnis nun hat seine Grundlage durchweg in einem eidlich bekräftigten Vertrage zwischen dem Gaststamm und dem ihm Schutz gewährenden israelitischen Stamm. Das ist z. B. aus der Aufnahme der Gibeoniten in d§.s Klientelverhältnis zu Israel und aus der Auffassung der Genesis von dem Verhältnis der Erzväter zu der herrschenden Bevölkerung zustehen (S. 83.) Die Sozialverfassung des alten Israel ruht somit wie Weber abschließend feststellt ,,zum sehr wesentlichen Teil auf einer durch Kontrakt regulierten Dauerbeziehung .grundbesitzender Kriegersippen mit Gatstämmen als rechtlich geschützten Metöken“ (S. 87.) Im Einzelnen ist hier sicherlich sehr Vieles problematisch. So ist es z. B. sehr gewagt, daraus, daß Kain der Stammvater der Schmiede und Musikanten ist, zu folgern, daß diese Handwerke in den Händen von Gaststämmen lagen. Denn Kain ist ebenso der erste Städtebauer und der Vater der Viehzüchter. Webers Annahme, daß auch diese Angaben ihn zum Vater aller typischen Gaststämme machen wollen (S. 42), scheitert daran, daß nach seiner eigenen Feststellung auch ein erheblicher Teil der israelitischen Stämme zu den Viehzüchtern gehört und schon in vorköniglicher Zeit große Teile Israels stadtsässig geworden sind. Im Sinne des biblischen Erzählers handelt es sich hier um prähistorische Verhältnisse, die eine so unmittelbare Uebersetzung in die Gegenwart Israels, wie Weber sie vornimmt, nicht gestatten. Aehnlichen Bedenken unterliegt die Verwendung, die Weber mit manchen früheren Forschern von den Angaben der Chronik über die verschiedenen Handwerke macht. Seine Gesamtauffassung aber ist durchaus einleuchtend und gewinnt aus an sich bekannten Tatsachen ein außerordentlich plastisches und klares Bild von der Durchsetzung der israelitischen Frühzeit mit fremden Elementen verschiedenster Art und den rechtliehen und politischen Formen ihrer Eingliederung in das israelitische Leben. Die gleiche Bedeutung wie für die Eingliederung dieser Fremdelemente aber hat nach Weber der Bundesgedanke für den politischen Aufbau Israels selbst. Zunächst vermutet er, daß einzelne israelitische Stämme, insbesondere der Stamm Juda in einer religiösen Verbrüderung ihre Grundlage haben. Eine solche Verbrüderung ist nach seiner Meinung die weitaus stabilste und dauerhafteste Organisationsform, die wir bei Beduinen und Viehzüchtern antreffen. Während deren sonstige Organisationen, die weiter noch zu besprechen sind, sehr lockere Gebilde sind, die sich bald in Einzelsippen zersplittern, bald wieder neuen Zusammenballungen■־ Platz machen, haben die religiösen Verbände eine außerordentlich größere Wider- Standsfälligkeit, wie z. B. die Rechabiten zeigen und wie in großartigsten Dimensionen die sich unter ganz gleichartigen Verhältnissen vollziehende Entstehung des Islam lehrt. Daß der Stamm Juda aus heterogensten Elementen zusammengesetzt ist, steht fest.