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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 5 · p. Seite 198

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 5
Article
Max Webers Soziologie des antiken Judentums
Date
1925-01-01
Page
Seite 198 (sequence 4)
Language
German
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198 über den Stoff gesagt haben, gilt in vollem Umfange auch für diesen Teil seines Werkes und wird durch einzelne auffällige sprachliche und sachliche Versehen, die zum Teil wohl dem Mangel einer abschließenden Redaktion seines Buches zuzuschreiben sind, nicht beeinträchtigt. Außerordentlich erfreulich ist die Vorurteilslosigkeit und Objektivität, mit der er das Judentum betrachtet. Nicht überall wird er ihm tatsächlich gerecht, und zu der sachlichen Anfechtbarkeit mancher seiner Urteile tritt sein Gefallen an einer oft bis zur Rücksichtlosigkeit gesteigerten Schärfe des Ausdrucks hinzu, die letztlich dem sachlichen Verständnis mehr schadet als nützt. Auch für seine eigene Auffassung des Pröphetismus z. B. ist es kein glücklicher Ausdruck, wenn er die: Propheten wiederholt als Demagogen bezeichnet. Doch das ändert nichts an dem strengen und reinen Wahrheitswillen, der hier wie überall seine Forschung leitet und auch da unverkennbar ist, wo sein Urteil fehl geht oder über das Ziel hinausschießt. In wesentlichen Punkten macht er sich von den Vorurteilen der christlich-theologischen Forschung frei, sowohl in Bezug auf die Würdigung des biblischen und talmudischen Judentums selbst, wie in der Auffassung seiner sachlichen und historisehen Beziehungen zum Christentum. Der jüdische Forscher ist dadurch in die angenehme Lage versetzt, sich ohne jede Versuchung zu apologetischer Haltung auf dem Boden rein sächlicher historischer Auseinandersetzung bewegen zu können. Wir erwähnten bereits, daß dem Werk Webers die letzte redaktionelle Durcharbeitung zu fehlen scheint. Das zeigt sich neben den bereits berührten gelegentlichen Irrtümern und manchen Unausgeglichenheiten im einzelnen auch in den Mängeln der Disposition des Werkes, die trotz Webers durchgehender Gleichgiltigkeit gegen solche formale Rücksichten auffällig bleiben. Sie beruhen z. T. wohl darauf, daß das Werk über seinen ursprünglichen Rahmen hinausgewachsen ist.; Die religionssoziologischen Arbeiten Webers trugen bei ihrem ersten Erscheinen im ״Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik“ den Titel: ״Zur Wirtschaftsethik der Weltreligionen“. Iii der Buchausgabe ist dieser Titel mit Recht aufgegeben worden, weil er dem wirklichen Inhalt des Buches nicht gerecht wird. Aber diese Verschiebung in der Anlage des Buches macht sich nun in der Undurchsichtigkeit seiner Disposition geltend. Bei einer nochmaligen Redaktion wären sicherlich auch manche mit dem Thema des Ganzen nur lose zusammenhängende Einzelausführungen fortgefallen, anderes hätte eine genauere Durchführung gefunden. In der vorliegenden Fassung ist das Buch einigermaßen unübersichtsichtlich geworden und macht es nicht ganz leicht, die leitenden Gedanken Webers heraüszuf indem Um so notwendiger erschien es, im folgenden nur zu einigen der zentralen Gesichtspunkte Webers Stellung zu nehmen und auf die im Rahmen eines Aufsatzes ohnehin undurchführbare Diskussion der vielen von ihm behandelten Einzelfragen zu verzichten. Absichtlich werden dabei die Probleme in erster Reihe behandelt, bei denen eine Kritik der Aufstellungen Webers erforderlich erscheint. Dabei werden im wesentlichen nur die ausgeführten Teile der Darstellung Webers berücksichtigt. Der Versuch, seine verstreuten Aeußerungen über die nächexilische

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