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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 5 · p. Seite 197

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 5
Article
Max Webers Soziologie des antiken Judentums
Date
1925-01-01
Page
Seite 197 (sequence 3)
Language
German
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197 besonderen Zwecke wichtige Einzelfragen. Das gilt auch für den bedeutendsten älteren Versuch soziologischer Erfassung des Judentums, für Sombarts viel umstrittenes Buch ,,Die Juden und das Wirtschaftsleben“. Ganz abgesehen von seinen standpunktlichen Vorurteilen behandelt es das Judentum nur als eine der Entstehungs- Ursachen des modernen Kapitalismus und analysiert es nur soweit, wie diese Fragestellung es verlangt. Weber beabsichtigte demgegenüber eine allseitige soziologische Untersuchung des Judentums zu geben. Das soziologische Hauptproblem ist auch für ihn die Entstehung des nachexilischen Judentums oder, wie er es mit einem für jüdische Ohren nicht sehr wohlklingenden Ausdruck bezeichnet: die Entwicklung der Juden zum Pariavolke. Von dieser Fragestellung aus wurde er zunächst zu einer eindringenden Analyse des alten Israel geführt, der dann die Untersuchung des nachexilischen Judentums selbst folgen sollte. Leider aber ist seine Darstellung des Judentums ein Torso geblieben. Seine Religionssoziologie bricht mitten in der Darstellung des Judentums ab, und ebenso wie zu der geplanten Darstellung des Früh- Christentums und des Islams ist er auch zu. der des nachexilischen Judentums nicht mehr gekommen. Was wir besitzen sind nur die beiden Untersuchungen: ״Die israelitische Eidgenossenschaft und Ihvh“ und ״Die Entstehung des jüdischen Pariavolkes“, die bis zum Exil führen. Aus dem kurzen Vorwort seiner Frau, Marianne Weber, wissen wir, daß er ״das antike Judentum noch durch die Analyse der Psalmen und des Buches Hiob ergänzen und dann das talmudische Judentum darstellen“ wollte. Das einzige, was davon vorliegt, ist ein Abschnitt über die Pharisäer, der dem Buche als Nachtrag beigegeben ist. Allerdings hat sich Weber über das spätere Judentum an verschiedenen Stellen seiner ״Agrarverhältnisse im Altertum“ (Gesammelte Aufsätze zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte“ bes. S. 186—190), des 1. Bandes seiner Religionssoziologie (bes. S. 180, 181) und vor allem seines soziologischen Hauptwerks ״Wirtschaft und Gesellschaft“ (S. 349—356, 808—812־) ausgesprochen und aus einer Kombination seiner verschiedenen Aeußerungen läßt sich ein ungefähres Bild wenigstens davon gewinnen, wie er sich die wirtschaftliche Bedeutung des Diasporajudentums denkt. Aber so bedeutend diese gelegentlichen Bemerkungen auch sind, bieten sie natürlich keinen Ersatz für die fehlenden Teile der Darstellung. Daß wir auf sie verzichten müssen ist um so bedauerlicher, weil gerade für das spätere Judentum sehr viel mehr zu leisten war als für die biblische Zeit, für die die neuere Bibelwissenschaft sehr viel wertvolle Vorarbeit getan hat. Immerhin ist auch das, was Weber noch hat ausführen können, eine Leistung von höchstem Wert, deren wir uns dankbar erfreuen. Trotzdem Weber sich in religionsgeschichtlichen Fragen wesentlich den Anschauungen der Wellhausenschen Schule in der Fassung, die ihnen die Vertreter der neueren ״religionsgeschichtlichen“ Riehtung gegeben haben, anschließt und in historischen Dingen großenteils auf Eduard Meyer fußt, führt doch seine soziologische Frage- Stellung zu einer Fülle neuer, zum Teil überraschender Gesichtspunkte. Was wir vorher von seiner bewundernswerten Herrschaft

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