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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 4 · p. Seite 182

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 4
Article
Über moderne Naturphilosophie [Rezension]
Date
1925-01-01
Page
Seite 182 (sequence 14)
Language
German
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IS 2 In der Wertphilosophie offenbart sich nach Bauch1 die religiöse Synthese der Philosophie dort, wo der theoretische Fundamentalwert, die Wahrheit, als Geltungsganzes und der praktische, der ethische Wert, als Wertganzes das System der Werte umspannend, zusammengefaßt werden. Dieser synthetische Akt ist der Fundamentalwert schlechthin; er selbst steht wieder vom Wahrheitswert aus in ewiger Synthese mit der Wirklichkeit. So kann man das Ganze des Wirklichen aus der Wahrheit entstanden denken und als Aufgabe der Menschheit die Erlösung vom Gegensätze zwischen biologischem und Geistesleben, die göttliche Bestimmung ist, begreifen. Hier kann nicht das Verhältnis der Axiologie zur Metaphysik geprüft werden. Daß bei Bauch ein starker religiöser Zug sich geltend macht, der sogar zu biblischen Zitaten Anlaß gibt, kann nicht geleugnet werden. Mir scheint nur, schon seine Wertlehre würde gewinnen, wenn er nicht dem Mechanismus, übrigens ohne Schroffheit gegen den Vitalismus, zuneigte. Bei den Metaphysikern wird die Ernte schon ertragreicher. Wundt2 ergänzt das sittliche Ideal durch das religiöse. Wir fordern einen transzendenten Grund für das Humanitätsideal, das allerdings kein absolut unendliches ist. Deshalb werden wir den Grund so umfassend denken, daß zwar das Sittliche eine Folge daraus ist, aber nicht die einzige. G o 11 soll dieser Grund heißen; wir denken ihn uns vollkommen und unerreichbar, um über das begrenzte Menschheitsideal der Humanität hinauszugelangen. Wir denken ihn aber auch als unendlich, um nicht mit dem Abschluß und der Erfüllung der Sittlichkeit zu Endgültigem zu gelangen. Gott, als das dem Geist und der Natur absolut Transzendente, ist der Urgrund alles Seins und damit die Einheit von Natur und Geist; so ist in Gott der Parallelismus gleichsam gelöst oder, in mathematischer Analogie, der Schnittpunkt der Parallelen. Ueber die Metaphysik von Hans Driesch3 habe ich schon öfter berichtet, und ich will mich deshalb kurz fassen. Nur die Anknüpfung an die Natur- Philosophie des Autors liegt nahe. Da ist es der Ganzheitsbegriff und seine Repräsentanten, Entelechie und Psychoid, die in allmählicher Steigerung zu Ueberpersönlichem auf dem Weg über Sittlichkeit, Geschichte und Phylogenie und die Ueberschreibung der Begriffe auf das Blatt der Metaphysik schließlich zu der höchsten inhaltsreichsten Setzung, Gott, führen. Driesch meint — und das ist wichtig für seine Metaphysik und, wenn man will, Religion .־— daß wahrscheinlich der Dualismus das letzte Wort haben wird: Zufall in Gestalt der drei mala: physicum, ethicum und metaphysicum, läßt sich nicht der höchsten Setzung unterordnen. Materie — das Verstricktsein der Ganzheit in sie — führt zu allen Problemen dieser Welt. — Auf näheres eingehen, so sehr es mi.ch lockt, hieße die gesamte Wirklichkeitslehre des Autors darstellen. Abschließend nenne ich Reinke4? den am positivsten gerichteten religiösen Naturforscher. Er ist durchaus gläubig, im echten theistischen Sinn des Wortes, Gegner einer Religion ohne Gott, Gegner einer Diesseitsreligion. Wie Rousseau so auch ihm ,,l’ordre inaltdrable de lanature montre le mienxl’etresupreme“. Die Natur ist eine Offenbarung Gottes, und wenn auch innerhalb der Wissenschaft der Gottesbegriff nicht Platz hat, so führen doch die Ergebnisse der Wissenschaft zu Gott, weil ein Gesetzgeber all. der Gesetzmäßigkeit gefunden werden muß. Viele der ganz großen Naturforscher und Denker wie Max Müller haben Gottes Dasein bejaht. Die theistische Weltanschauung ist g 1 ä u b i g e Erkenntnis. Völlig falsch ist die Auffassung, Theologe und Naturforscher hätten gar keine Berührung. Auf dem Gebiet der Metaphysik treffen sie sich. Eine gewisse Aehnlichkeit damit hat Drieschs Aeußerung: im letzten Grunde ist ja jedes Bonderproblem ein Teil des Gottesproblems5. Man darf wohl Befriedigung über die Ergebnisse der zur Metaphysik gelangten Denker äußern. Dabei muß man in ehrlicher Kritik zugestehen, daß z. B. Reinke wohl mehr, als bei strengem wissenschaftlichen Denken erlaubt ist, folgert. Jedenfalls kann man sagen, daß von der Wissenschaft her nicht 1 Wahrheit etc., 535—536. 2 Nef, Wundts Philos., S. 301• ff. 3 Wirklichkeitslehre 355, 359 u. v. a. Bt. 4 An vielen Stellen in Naturw., Weltansch. u. Religion. 5 Phil. d. Organ., S. 598..

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