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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 4 · p. Seite 180

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 4
Article
Über moderne Naturphilosophie [Rezension]
Date
1925-01-01
Page
Seite 180 (sequence 12)
Language
German
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180 auch K. Groos1 weitergebildet worden. Nur soweit ein rein naturphilosophisches Interesse vorliegt, sei hier kurz auf J. Schultz’ ״Die Philosophie am Scheidewege“2 verwiesen und damit gleichzeitig jedenfalls eine Beziehung der Natur- Philosophie zur Metaphysik angedeutet, die den religiös Orientierten fesselt; wollten wir ausführlich die Ergebnisse der Naturphilosophie zur metaphysischen Ausdeutung heranziehen, so würde die Arbeit ins Unermeßliche anschwellen. Schultz3 behandelt nämlich den Gegensatz Yitalismus—Mechanismus unter dem Titel Metaphysik; das ist nach allem Vorangehenden durchaus nicht der einzige Platz, wo dieser Antagonismus zu Worte kommt, aber natürlieh hat er auch dort seinen Ort. Es sind zwei Grundtypen, auf die Schultz alle individuellen Denkformen zurückführt: der Praktische und das Schauende (auch ,,Mimet“ und ,,Aesthet“ genannt). In den uns hier beschäftigenden Fragen weist er den Vitalismus und die psychophysische Wechselwirkungslehre dem ״Praktischen“ zu, während Maschinentheorie und Parallelismus des ״Schauenden“ Ueberzeugung sind. Freilich ist seine Maschinentheorie — Schultz selbst ist nämlich ״Aesthet“ — weit entfernt von einer Zufallslehre und Materialismus. Schultz ist Phänomenalist für alles, was erscheint; Erscheinung aber ist die Gestalt, in der die Realität uns nach festen Gesetzen bewußt wird. Die Zufallslehre überläßt er Halbdenkern; ihm ist zur Erklärung der Wunderbauten des Pflanzen- und Tierreiches entweder ein Vitalismus oder die Maschinentheorie nötig. Letztere, die er andernorts ausgebaut hat, führt zu einer Art Hylozoismus. Sie läßt in der Sinnenweit Geistiges erscheinen; soll aber Geistiges ewig im Sinnlichen erscheinen, so kann das Sinnliche nur als ein ewig Durchgebildetes vorgestellt werden (S- 195). So entfernt Schultz sich weit von allem Materialismus. Seine Dar- Stellung des Vitalismus nötigt zu keiner ausführlichen Darstellung. Kritische Einwände fordert aber wohl die etwas gewaltsame Art heraus, mit der Schultz den Praktischen zum Vitalisten, Regulisten und Bejaher der Wechselwirkung zwischen Psychischem und Physischem macht, während der Schauende Kausalist, Mechanist und Parallelist wird4. Ich glaube, dazu liegt weder ein Zwang a priori vor, noch sprechen die vorliegenden Systeme dafür. So ist Drieschs System in mancher Hinsicht eine Widerlegung. Auf das Begriffspaar: Ursächlichkeit — Regelsatz verweise auf Schultz; ich will hier nicht dabei verweilen, weil es mit unseren Darlegungen nur in sehr lockerem Zusammenhang steht. Dagegen erinnere ich noch einmal an Drieschs Auffassung vom Verhältnis des Psychischen zum Physischen. — Schultz’ Werk ist reich an geistvollen Bemerkungen und mit einer bemerkenswerten Ursprünglichkeit geschrieben. Es ist sehr anregend und Zeugnis geistiger Originalität. Nur bleibt fraglich, ob man mit dieser Zweiteilung den wirkliehen Ausprägungen von Systemen gerecht wird. Natürlich kann keiner verlangen, daß jedes einzelne" System sich zwanglos der Schablone einfügt. Immer wird, es gegenüber jeder Typologie individuelle Leistungen geben, die zwischen den Grundformen stehen und eine Art Kompromiß darstellen. Aber ich bezweifle, ob zwei Grundtypen ausreichen. — Das religiöse Denken hat ein Interesse an der Bedingtheit wissenschaftlicher Leistungen des Forschers durch seine Grundeinstellung gemäß dem Typus, dem er angehört. * * * Ebenfalls an der Peripherie unseres Themas liegen die Fragen der Wert- Philosophie, die nur mit Rücksicht auf unsere Aufgabe behandelt werden können. Im Anschluß an Bauchs 5 ״Wahrheit, Wert und Wirklichkeit“ sei betont, daß das biologische Leben als solches wertindifferent ist und erst durch seinen Zusammenhang mit dem Geistesleben, das dem Gebiet der Kultur angehört, Beziehung zu den Werten gewinnt. In der Sprache Lao- T s e s — und hier empfängt auch die philosophische einen religiösen Charakter — steigt dadurch das Leben über das biologische Niveau heraus: ״Ueber dem 1 Der Aufbau der Systeme. — Dieses vorzügliche, ja grandiose Werk, das überreich an Aufhellungen über philosophische Architektur ist, soll noch gesondert einer eingehenden Besprechung unterzogen werden. 2 Meiner, Leipzig 1922. 3 Ebd. 185—199. 4 Ebd. 173—184. 5 Wahrheit, Wert etc., S. 501 ff., 512 ff.

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