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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 4 · p. Seite 175

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 4
Article
Über moderne Naturphilosophie [Rezension]
Date
1925-01-01
Page
Seite 175 (sequence 7)
Language
German
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175 des Wortes Teleologie, nicht identisch. Selbst G. W 0 1 f f 1 hat mit seinem schönen Experiment, der Entfernung der Augenlinse des Wassermolches, die dann vom Irisrand regeneriert würde, was nicht ihrer ontogenetischen Entstehungsweise entspricht, nur den Beweis einer primären s t a t i s c h e n Zweckmäßigkeit, die man als maschinell vorgebildet deuten könnte, erbracht, wie ja auch z. B. Jul. Schultz2 seine Maschirientheorie so aufgebaut hat. Driesch aber faßt seinen Vitalismus als dynamische Teleologie auf, die nicht vorgebildet ist, und hat den Beweis dafür u. a. durch den Nachweis des harmonisch-äquipotentiellen Systems erbracht. Dagegen hält Wundt3 den Begriff "der Zweckürsache für logisch verfehlt. (־Hermann Cohen4 hat den Vitalismus einmal in befremdlicher Weise einen Kulturfehler genannt.) Eigenartig dabei ist, daß Wundt, wie auch viele andere Gegner des Vitalismus, gar nicht auf die Argumente der streng-wissenschaftlichen Vitalisten und ihre als zwingend bezeichneten Beweise eingehen. Weder W u n d t, noch Ingenieros und Bau c h oder V a i h i n g er befassen sich mit den drei von Driesch formulierten Beweisen. Wundt5 z. B. sagt, es seien hauptsächlich zwei Tatsachen, auf die sich der Neovitalismus stütze: die Unmöglichkeit der künstlichen Erzeugung von lebender Substanz und der regelmäßige Rhythmus der vitalen Vorgänge. Die Eiitstehung des Lebens als Problem soll uns noch in anderem Zusammenhänge beschäftigen. Alles andere, Stoffwechsel, Regeneration, Fortpflanzung und Vererbung wird mit dem Hinweis auf die Bedeutung katalytischer Prozesse, insbesondere fermentativer, als grundsätzlich physi ko-che misch deutbar aufgefaßt und unsere mangelhafte Kenntnis durch unser Unvermögen, die sehr komplexen Erscheinungen zu deuten begreiflich. — Freilich bekommt die streng mechanistische Auffassung Wundts6 einen Sprung durch die Rolle, die er dem Willen als Erzeuger objektiver Naturzwecke zuweist. Damit ist allerdings, kein vitales Naturprinzip eingeführt, vielmehr hat man den Eindruck, daß es sich um rein Psychisches handelt. Aber man sollte doch annehmen, daß der Parallelist Wundt eine Grenzüberschreitung für unzulässig hält. Besonders auffällig ist folgender Gedankengang: ,,die Bewegungsorgane des Kreislaufs .... die absondernden Drüsen sind durch automatische .... Zentren zu einem System verbunden, das .... jede einzelne Leistung den Zwecken des Ganzen anpaßt. Die Entstehung dieses Systems kann unmöglich . . . . als zufällig begriffen werden; sie wird verständlich.wenn alle jene automatischen Wirkungen aus wirklichen, von einem zwecksetzenden Willen geleiteten Bewegungen entsprungen sind.“ Ohne auf das Widerspruchsvolle hier näher einzugehen, möchte ich doch darauf hingewiesen haben, daß irgend wann einmal auch nach Wundt ein nichträumlicher Faktor wirksam war. Ob sich der Widerspruch dadurch hebt, daß bei Wundt im Metaphysischen die Willenselemente allein als real gelten, ,möchte ich bezweifeln, da doch die Betrachtung oben sich noch nicht im Rahmen der Metaphysik bewegt. Von neueren Philosophen sei hier noch eines der wertphilosophischen Richtung angehörenden gedacht: Bauch7, der hinsichtlich der Teleologie ganz den kantischen Standpunkt (der bei Kant freilich nicht so bestimmt und widerspruchslos zum Ausdruck kommt) einnimmt, daß sie nur heuristische Bedeutung habe. Das biologische Leben müsse geradezu als mechanisch bezeichnet werden. Wenn auch vielleicht die Biologie nie das Ideal einer Biomechanik durchführen werde, so müsse ihr Bestreben immer dahin gehen, sich ihm möglichst zu nähern. Wieder nicht völlig frei von Unklarheit für mich ist folgender Satz: Das biologische Leben ,,ist naturnotwendig oder im weitesten Sinn des Wortes mechanisch bedingt von seinem physikalisch-chemischen Ursprünge her bis zum ausgeprägt psychischen Lebenswillen hin, der auch 1 Biol. Zentralbl. Bd. XIV. 2 Philos. am Scheidewege 185 ff., vgl. auch desselben Autors Maschinentheorie d. Lebens 1909. 3 s. Nef, Phil. Wundts, S. 122; auf die Ganzheitskausalität wird da gar nicht eingegangen. 4 Logik der reinen Erkenntnis, 3. Aufl., S. 346. 5 Nef, 124 ff. 6 s. Nef, S. 131 f. 7 Wahrh., Wert, Wirklichkeit, S. 500.

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