Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Seele als Vogel
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 18)
- Language
- German
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167 Exil war Israel der Körper, du und Ahron wie die zwei Flügel der Taube. Mit diesen flog Israel“1'. Daher heißt es in einer muhammedanischen Tradition, daß das Licht Muhammeds in einer dem Pfau ähnlichen Gestalt geschaffen wurde2, Muhammed ist für die Muhammedaner der Messias3. Auch bei christlichen Häretikern scheint die Beflügelung des Christus (Logos, heiliger Geist, Messias) geläufig gewesen zu sein. So lehrten die Nikolaiten: ,,Jesus sei auf natürliche Weise wie alle übrigen Menschen geboren und habe sich durch Gerechtigkeit, Klugheit und Weisheit vor den Menschen ausgezeichnet. Und nach der Taufe sei Christus in Gestalt einer Taube von jenem über alles erhabenen Herrn auf ihn herabgestiegen“4. Und bei Basilides heißt es: ,,Doch beflügelte sich die dichtere Sohnschaft mit dem heiligen Geiste; und die Sohnschaft übt eine Wohltat, indem sie sich mit ihm bekleidet und empfängt eine solche. Denn wie der Flügel eines Vogels an und für sich und getrennt vom Vogel sich weder je erhübe noch senkte, so vermöchte auch der Vogel ohne Flügel weder emporzusteigen, noch sich herabzulassen. Und so verhält sich die Sohnschaft zum heiligen Geiste und der heilige Geist zur Sohnschaft. Wie ein Vogel von seinen Flügeln, wurde also die Sohnschaft emporgehoben von dem heiligen Geiste“5. Zum Ganzen. — Vielleicht hängt es mit der Vorstellung des Seelenvogels zusammen, wenn auf alten jüdischen Grabsteinen Tiere und Vögel, besonders Tauben, abgebildet zu werden pflegten — eine Erscheinung, die Nikolaus Müller, Die jüdische Katakombe am Monteverde in Rom, nicht zu erklären weiß. Vgl. SS. 68, 81, 82, 85, 89 (Hinweis meines Schülers B. Murmelstein). Herr Dr. Heinemann wirft in seinem oben erwähnten Schreiben u. a. noch die Frage auf, auf welchem Wege die der Bibel fremde Vorstellung vom Seelenvogel zu den Juden gelangt sein mochte, und ist mit der von mir angedeuteten Annahme nicht einverstanden, daß hier eine Beeinflussung seitens Platos vorliegt. Nun, diese Frage erfordert eine besondere ausführliche Behandlung, die hier keinen Platz hat. Hier aber will ich kurz folgendes bemerken: Man muß einen Unterschied machen zwischen der primären Grundvorstellung und ihren sekundären Weiterbildungen und Aus- Schmückungen. Was die Grund Vorstellung selbst betrifft, so ist bei einer so weit verbreiteten opinio communis, die auch bei all den Völkern vor- ובגלותא בתראה תרין משיחין ישלח עמך לקבל תרין גדפין דיונה דאנת כגופה. נ בגלותא רביעאה לית לך ג־דפין ולא עודאלא בקדמותא היו ישראל בגופא ואכת ואהרן כתירין נדפין דיועה ובהון פרחו ישראל׳. Sohar V 278 b. 2 Mohammedanische Eschatologie, ed. M. Wolf, S. 2. 3 Sprenger, Leben Mohammeds I, S. 156. Dieterici, Die Anthropologie der Araber, SS. 90, 102. 4 Irenäus, Contra Haer. I, 26, 1 (Sämtliche Werke der Kirchenväter (Kempten 1831) III, 110)•. 5 Schnitz, Dokumente der Gnosis 141. Vgl. noch Schultz das. 74,, 78, «2, 140, 148.