Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Seele als Vogel
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 16)
- Language
- German
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165 16. Bei Plato findet sich noch eine andere Seelenvorstellung, die aus dem griechischen Volksglauben herübergenommene Gleichung: Seele Stern1. Kombiniert man nun die beiden platonischen Seelenvorstellungen, so ergibt sich folgender Schluß: Seele Vogel, Seele Stern, folglich Stern Vogel. Diese Kombination finden wir in folgender mystischen Agada. ,,R. Ismael sagt: Metatron zeigte mir die Geister der Sterne, die im Rakia versenkt sind und Nacht für Nacht das Lob Gottes verkünden, wohin sie sich bewegen und wie sie stehen. Ich ging zu ihm und er erfaßte mich und zeigte mir alle mit den Fingern seiner Hand. Sie sahen aus wie Feuerfunken im Thronwagen Gottes. Was tat dann Metatron, der Fürst des Angesichtes? Er schlug seine Hände zusammen und ließ sie alle von ihrem Orte auffliegen, da flogen sie alle von ihrem Orte mit Flammenflügeln'‘2. Die Vorstellung von den geflügelten Seelen der Sterne kann vielleicht einfacher und richtiger aus der im jüdischen Schrifttum weit verbreiteten Anschauung erklärt werden, daß die Sterne beseelte Lebewesen sind. Damit wäre dem Bedenken des sehr geehrten Herausgebers der Monatsschrift (Schreiben vom 29. 1. 25) Genüge getan. Aber diese Vorstellung selbst ist platonisch — aristotelisch — phiionisch3. Die Vorstellung vom Seelenvogel findet sich auch bei Philo. Durch sie erklärt sich eine der wunderlichsten phiionischen Allegorien. Zum Verständnis der betreffenden Stelle aber muß folgendes vorausgeschickt werden. Wie bei den Stoikern die menschliche Vernunft 1 Stenzei, Ueber zwei Begriffe der platonischen Republik, S. 21 (Jahresbericht des städtischen Johannesgymnasiums für das Schuljahr 1913/14). 2 Jellinek, Beth ha-MidrasclT v. 188: אר״י, א״ל מטטרון רוחן של כוכבים שעמוקים ברקיע וכל לילה ולילה (באמו) [ומספדים כבודו?] של?מקום והיכן הם הולכים והיכן הס עומדים והלכתי אצלו ותפשני והראני את כולם באצבעות ידיו והן כניצוצי שלהבת מרכבותיו של מקום, מה עשה מטטרון מלאך שר הפנים באותה שעה הכה כפו על כפו והפריח את כולן ממקומם מיד פרחו ממקומם בכנפי שלהבת!♦ 3 Vgl. Zeller, Philosophie der Griechen III3 2, S. 392. S. Schriften der jüdisch-hellenistischen Literatur ed. L. Cohn I, Einleitung S. 11, II 16, Anm. 1. Julius Stenzei, Ueber zwei Begriffe der platonischen Republik, S. 21; vgl. noch a. a. O., S. 4 (Jahresbericht des städtischen Johannes-Gymnasiums zu Breslau für das Schuljahr 1913/14); Stenzei, Ueber Platos Lehre von der Seele (in Festschrift zur Jahrhundertfeier der Universität Breslau 1911, S. 88 f.). Zeller, a. a. O. II3 2, S. 439. — Jehuda Hadassi, Eschkol ha-Kofer AB. 396, 41b bezeichnet diese Ansicht als Irrglauben der S a b b ä e r. Für das rabbinische Schrifttum vgl. Josef ibn Saddik, Mikrokosmos, ed. Horovitz, S. 10, Moreh II, 4 ff. Vgl. besonders Mischneh Thorah יסודי התורה III, 9. Aldabi, שבילי אמונה Pfad II g. Ende, Pfad VI anfangs. Vgl. auch Neumark, Geschichte der jüdischen Philosophie I, S. 551. Diese Anschauung auch bei den Arabern. Vgl. Dieterici, Die Anthropologie der Araber, S. 61: ,,Gott setzte in den Himmel, d. i. der Gesamtwelt, sieben vorzügliche sich bewegende Einzelkörper. Jeder derselben hat einen Leib mit einem Geist, den man Seele nennt.“ Das. S. 69: ,,Dies weil die Sonne die Königin der Planeten und ihre Seele der Lebenshauch (Geist) der Welt ist.“ Ueber die Verbreitung dieser Anschauung in der Agada und in den Apokryphen ausführlich an einer anderen Stelle.