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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 4 · p. Seite 163

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 4
Article
Die Seele als Vogel
Date
1925-01-01
Page
Seite 163 (sequence 14)
Language
German
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i&ä Philo bemerkt zu Gen 21g: ,,Mit Getier und Vögeln sind aber die leidenschaftlichen Empfindungen verglichen; denn sie schädigen den Geist durch ihre wilde zügellose Art und flattern wie Vögel auf die Seele nieder“1. Aus diesem Gedankengange erklärt es sich, daß im Sohar der Rabe und die Taube, die Boten Noahs, die beiden Triebe sind. Der Rabe — der böse Trieb, die Taube —Symbol des guten Triebes. Daher wurde zuerst der Rabe ausgeschickt, ein Hinweis darauf, daß der böse Trieb früher im Menschen vorhanden ist als der gute 2 Da nun der böse Trieb im Einzelmenschen ein Teil Satan־ Samaels, des bösen Triebes der Welt ist3, so ist der Rabe Symbol Samaels oder des bösen Geistes2. Dies erinnert an die christliche Vorstellung: Heiliger Geist Taube, böser Geist Rabe4. Und im Sohar selbst bedeckt der Heilige Geist mit seinen Flügeln Israel gegen seine Feinde5. Die Beflügelung des Heiligen Geistes und selbst seine spezielle christliche Symbolisierung durch die Taube hat, wenn vielleicht nicht ihre Quelle, so doch eine Parallele in der alten jüdischen Agada. Das Taubensymbol geht auf die Erzählung von der Taufe Jesu zurück: Der Heilige Geist steigt in Gestalt einer Taube herab und ruht auf den Frischgetauften6. Bei Matth heißt es nun: xac slSev TtvBUfia $eod xaraßavuov waai TiepiaTepdv, hebr. heißt dies: לירא את רוח אלהים יורדת ליונה. Dabei wird man an den Satz ben Somas erinnert: ורוח אלו־דם* מרחפת־ על פני המים כיונה עזמרחפת על בכיה נוגעת] 7ואינה נוגעת]. 1 Leg. alleg. II, 4 (ed. L. Cohn I, 92, § 11. Schriften der jüdisch-hellenistischen Literatur III, 56, § 11): Grjptois xal 7׳ut7)voT<; aTüstxa^ei xa oxi ohzxm tov vouv crciöaoa xal av7fy.£pa ovta xal 6x1 7CT7jV(«v Tpoitov £7c17c0Ta׳ca1 -ff biavoia. Vgl. noch Leg. Alleg. II, §§. 81, 86, 87, 93, 99, 101, 102, 105, ed. Cohn I, SS. 106, 107, 109—111 (Schriften der jüdisch-hellenistischen Literatur III, SS. 77, 78, 79, 81, 83, 84); III, §§ 61, 66, 76, 107, 136 ,131 ,128 ,113׳. Cohn I, SS. 126, 127, 129, 137, 138, 141, 142, 143. (Deutsch: 105, 107, 109, 120, 121, 126 f., 129). 2 עורב ובת זוגו זתי סמאל ובגת זינו יונת ובת זוגו יצ״ט דבר ונוקבא נח ובת זוגיה לקבל בקדמייתא דא יצר הרע דשלח לי׳ עם בר נש בתאי :ihwh קוב״ה ושכינתי׳ וכר וישלח' את עלמא כגוונא דאקדים עשו ליעקב♦ Sohar ed. Cremona, Sp. 102 zu Gen 126. In ed. Wilna (I, 22a/b) fehlt diese Stelle und ist in den Zusätzen III“ 308a nachgetragen. 3 B. Bathra 16a: הוא שטן הוא יצר הרע הוא מלאך המות♦ 4 In der alt christlichen Kunst wird der Heilige Geist als Taube, der böse Geist als Rabe dargestellt. Vgl. Schultze, Archäologie der altchristliehen Kunst, S. 347 f; Wilpert, Die Malereien der Katakomben Roms, S. 257 ff.; Waser, Archiv für Religionswissenschaft XVI, SS. 346, 350.( 5 אמר(בלעם) איך איכל להון דהא רוח קדישא עלאה רביעא עלייהו וחפוז לון בנדפהא. Sohar I, 68b. — קול התור Cant 213 im Targum וקל רוחא דקודשא die Stimme des heiligen Geistes. ,,Einen etwas rohen Reflex der Vor- Stellung von der Taubengestalt des heiligen Geistes zeigt uns die Legende, welche die Brust des religiösen Dichters Umajja abi-l-Salt, Zeitgenossen Mohammeds, durch einen Vogel öffnen läßt, um dem Dichter die höhere Erkenntnis einzuflößen, die dieser Nebenbuhler des Propheten zwar mechanisch in sich aufnimmt, aber nicht als wahr anerkennt. Während der eine Vogel auf der Brust des schlafenden Dichters jene Operation vollzieht, wacht ein anderer Vogel über diesen Vorgang und empfängt den Bericht seines Genossen.“ Goldziher, Globus LXXXIII, S. 303. 6 Matth 31Ö; Mark 110; Luk 322: xal xaxaßfjvcn x0 TCvsujia xb a*pov otDjjtaitxüj eifcei 6k rapiaTepdv stc’ atkov; Joh ^0 7uveuu.a, ebenso Mark. ’ Chagigah 15a. 11*

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