Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 4 · p. Seite 159

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 4
Article
Die Seele als Vogel
Date
1925-01-01
Page
Seite 159 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2829132-2829927-2829931-2832611--46220-2832668
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

159 habe, bin ich wie ein reiner Vogel, der in der Luft herumflattert“1. d) Drei Tage nach dem Tode des Menschen flattert (טייסא) die Seele um den Leichnam herum, in der Meinung, sie werde zu ihm zurückkehren2. Es ist oben hervorgehoben worden, daß die Vorstellung des Seelenvogels bei Plato eine bedeutende Rolle spielt. Dies geschah nicht bloß deshalb, um die an sich interessante Tatsache festzustellen, sondern noch besonders aus dem Grunde, weil einige Momente im Bezirke der Seelenvorstellungen bei Plato auch in der Agada zu finden sind. 14. In einer agadischen Ausführung zu Deut 326 wird in Anlehnung an Hiob 206 der Gedanke ausgedrückt, daß selbst der größte, vollkommenste Mensch dem Tode unterworfen ist. Beweis dafür Moses, der — in realer Uebereinstimmung mit dem Hiobverse — in den Himmel stieg und mit seinen Füßen Wolken getreten, aber dem Tode nicht entgehen konnte. Diesem konkreten Beispiele geht eine allgemeine Fassung des Gedankens vorher, die folgendermaßen formuliert ist: ,,Laß es genug sein! Rede nichts weiter in dieser Sache (Deut 320). Das ist es, was Hiob sagt: Ob auch sein hoher Mut sich bis zum Himmel erhebt, und sein Haupt bis an die Wolken reicht (Hiob 206). Es wurde dies nur in bezug auf den Tag des Sterbens gesagt. Denn mag ein Mensch zum Himmel hinauf steigen, indem er sich Flügel macht wie ein Vogel, wenn seine Zeit kommt zu sterben, werden seine Flügel gebrochen und er fällt nieder vor dem Todesenge] wie ein Tier vor dem Schächter“3. Hier wird von dem Menschen, der den höchsten Grad der Vollkommenheit erreicht, gesagt: er macht sich Flügel wie ein Vogel, mit denen er gen Himmel strebt. Derselbe Gedanke auch in folgenden Ausführungen: ,,Und die Vögel des Himmels (Gen 126). Das sind die Männer des Verdienstes, die infolge ihres Verdienstes nach oben fliegen, und dort erwerben sie zum Erbe den Geist, der ,,fliegender Vogel“ ist, mit den Flügeln der Tatgebote. ,,Tier“, das sind die Ungebildeten“4. 1 Lev. r. iv, 5: כצפור טהורה פורחת באויר אני. Vgl. zu diesen Stellen Rapoport, Kerem Chemed IV, 226 f. 2 כל תלתא יומין נפשא פזייסא על גופה סבורה דהיא חורה לגביה. Jerusch. Moed Katon III, 5, 82b unten u. Lev. r. XVIIIr Gen. r. X7:עד תלתא יומין כפשא ודיבה. Auf der Vorstellung, daß die Seele die ersten drei Tage nach dem Tode sich in der Nähe des Körpers ringsherum bewegt, beruhen auch manche Halachoth in den Trauervorschriften; vgl. Jerusch a. a. O. und besonders Tanchuma 4 § ,מקץ. Die Vorstellung auch bei den Muhammedanern. Vgl. Goldziher, Globus LXXXIII, S. 302. Die Vorstellung stammt wahrschein־ lieh aus dem Parsismus. Vgl. Schorr, Hechaluz VII, 28. Böcklen, Die Verwandtschaft der jüdisch-christlichen und der persischen Eschatologie, S. 27 f. 3 Tanchuma ed. Buber רב לך אל תוסף דבר זה שאמר איוב אם :6 § ואתחנן יעלה לשמים שיאו וראשו לעב יגיע כגגד מי אמר המקרא ד זה לא אמרו אלא כנגד יום המיתה, שאפילו אדם יעלה לשמים ויעשה לו כנפים כעוף כיון שיגיע קיצו למות נשתברו כנפיו תופל לפני מלאך המות כבהמה לפני הטבח. 4 ובעוף השמים אלין מארי דזכוון דבזכותהון פרהין לעילא וירת־ן מתמן רוחא דאיהו עוף יעופף בגדפין בפיקודין רעשה ובבהמה אלין עמי הארץ. Sohar I, 252b.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.