Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Seele als Vogel
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 5)
- Language
- German
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154 Bleibt also von dem älteren Material bloß folgende Stelle, die wirklich zu unserem Thema gehört1: 1. ,,Was für ein Unterschied ist zwischen Ruah (Geist) und Ne§ama (Seele)? Die Seele gleicht einer geflügelten Heuschrecke, an deren Fuß eine Kette angebunden ist, welche an der Wirbelsäule hängt. Während der Mensch schläft, entweicht seine Seele und flattert in der Welt herum2, und das sind die Träume, die der Mensch schaut. Daher kommt es, daß man den Menschen während des Schlafes mehrmals anrufen kann, ohne daß er antwortet, aber er antwortet sofort, sobald man ihn berührt3/' 2. Bei Jehuda b. Barsillai finden wir folgende Bemerkung: ,,Wer sich von der Richtigkeit unserer Ausführungen (betreffend das Träumen) überzeugen will, so möge er beobachten, wenn er. träumt und plötzlich geweckt wird, gerät er in Schrecken und wird schwach und auf seinem Herzen bildet sich etwas wie ein kleiner Vogel; es ist die Seele, die in Schnelligkeit zurück gekehrt ist. Kehrt sie aber freiwillig zurück, so erschrickt der Mensch nicht4. 3. So auch fast wörtlich im Rasielbuche: ,,Aber wenn der Mensch schläft und man ihn in Eile weckt, gerät der Körper in Schrecken, und auf seinem Herzen bewegt sich etwas wie ein kleiner Vogel; das ist die Seele, die zurückgekehrt ist. Wenn sie aber freiwillig zurückkehrt, nämlich nahe am Morgen, erwacht der Mensch in Ruhe, denn dann ist die Seele in ihrem Quartier5/' 1 Mein Schüler H. J. Zimmels macht mich auf Neumark תולדות הפילוסופיה ביישראל I, S. 243, aufmerksam, wo es heißt: ,,Auch die Seele des Menschen wird Vogel genannt, Sohar I 12b“ "וגם נשמת האדם נקראת "עופא זהר חלק א׳ יב׳ עמוד ב'}>). Aber, diese Angabe Neumarks beruht auf einem Mißverständnis. In der betreffenden Soharstelle wird nämlich gesagt, daß die Seele sowohl beim Eintritt in das Leben als beim Austritt aus dieser Welt von zwei oder, nach anderen, mehreren Vögeln ( Engeln) begleitet wird. Erwirbt der Mensch sich Verdienste, so beschützen ihn diese Engel; sündigt er, dann klagen sie ihn an:כמה נפקין וכד נשמתא נפקא להאי עלמא ההוא עופא דפרח ונפק בהדי האי נשמתא מההוא אילנא נ2ק עמיה בכל נשמדא ונשמתא חרין חד מימינא וחד משמאלא אי זבי אינון נטרין ליה דכת״ב (תחלים צא') כי מלאכיו יציה לך, ואי לא אינון מקטרגי עליה♦ אמר ר׳ פנחש תלתא איכון דקיימו אפטדופםין“עליה דבר נש ♦ ♦ ♦ אמר ר׳ שמעון חמש* 2 Im Schlafe verläßt die Seele den Körper. Gen. r. XIV Ende. הנשמה הזו ממלאה את הגוף ובשעה שאדם ישן היא עולה ושואבת לו1 חיים מלמעלן♦ Deut. r. 515, Mid. Psalm. 25, § 2. Vgl. noch Pes. r. Kap. 31 Anf. 143a, Sohar I, 53b. Darauf beruht die Benediktion המחזיר נשמות, Berachoth 60b. Vgl. die Siddurkommentare. 3 Mid. Tehiilim Xl7 (ed. Buber, s. 102) ומה בין רוח לנשמה? נשמה דומה כמין הגב בעל כנפים ושלשלת קשורה ברגלו, ותלויה בחוט השדרה, וכשאדם ישן יוצאה נשמתו ומשוטטת בעולם, והן הן החלומות שאדם רואה ולפיכך כשאד ם ישן קודאין לו כמה פעמים ואינו עונה וכשנוגע בו מיד עונה♦ vgl. Kristianpoller, a. a. O., S. 5. פירוש ספר יצירה ed. Halberstam, S. 181: והרוצה להבין צדקת דברינו יראה כאשר׳ הוא חלם חלום ופתאום יקיצוהו משנתו יבהל בבהלה ויתחלש ועל לבו נוצרת כצפיר קטגה היא היא הנפש ששבה במהרה ואם היא תשוב מרצונה יעיר (את) האדם משנתו בל יבהל♦ 5 לםפר רזיאל ed. Amsterdam 10a unten: ואולם האדם שישן ומקיצין אותו בבהלה ויתבהל הגוף ועל לבו נודרת כציפור קטנה היא הנפש ששבה ואם היא תשוב מרצונה מעיר בלי בהלה כמו קרוב לשחרית אז הנפש^במלונה. Die wörtliche Uebereinstimmung zwischen Rasiei und b. Barsillai zeigt nicht mit Sicherheit darauf hin, daß der Kompilator des Sefer Rasiei den Jezirakommentar b. Barsillais benützt hat. Es scheint vielmehr, daß beide aus einer und derselben älteren Quelle geschöpft haben. Denn auch Jehuda b. Barsillai hat seine Angabe sicherlich nicht erfunden.