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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 4 · p. Seite 149

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 4
Article
Johannes der Täufer
Date
1925-01-01
Page
Seite 149 (sequence 6)
Language
German
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149 über die wiederholt auftretenden Messiase ersichtlich ist und auch aus dem talmudischen Ausdruck: (יתיב אפיתחא דקלתא (דרומי (Sanhedrin 98a)'hervorgeht, so liegt in der bestimmten Verkündigung: das Himmelreich ist nahe herbeigekommen, doch etwas Prophetisches. Schon der Mahnruf allein: Tut Buße! — verrät unverkennbar prophetischen Charakter. Es liegt klar zu Tage: wenn Johannes als Prophet auftrat und in seiner prophetischen Mahnrede auf das kommende Himmelreich hinwies, worin der Gedanke des kommenden Gerichtes naturgemäß mitinbegriffen lag, — ihm zu seinem Auftreten den Impuls die maleachische Verkündigung gegeben hat, ihn zu seinem Wirken die maleachische Weissagung inspiriert hat, die zu jener Zeit an״ gesichts der hochgespannten messianischen Erwartung auf aller Lippen schwebte, in aller Herzen sich regte, wie die vielen und vielfachen auf die Ankunft des Elia sich beziehenden Aussagen es deutlieh genug erkennen lassen. Dann kann aber Johannes nur in der Gestalt des Elia, als ein neuerstandener Elia aufgetreten sein — und der Bericht der Evangelien, wonach Johannes die Tracht des Elia trug, ein Gewand aus Kamelhaar mit einem ledernen Gurt um die Lenden (II. Reg. 18 und Sach 134), mag auf guter Tradition beruhen. Nach Renan hatte es auch sonst seinen guten Grund, wenn Johannes in der Eigenschaft des Elia auf getreten ist. Auf Grund der pseudepigraphischen Schrift Acc. Jes. (in der Kautzschschen Ausgabe Martyr. Jes.) II9-U führt nämlich Renan aus, daß wenn jemand zu jener Zeit eine große Rolle unter dem Volke spielen wollte, er Elia nachahmen mußte. Das strenge Leben, das dieser Prophet führte, die fürchterlichen Erinnerungen, die er hinterlassen, übten einen gewaltigen Eindruck auf die Gemüter aus und drückten gewissermaßen allen Volksschöpfungen ein Geburtszeichen auf. Und da das Einsiedlerleben ein wesentlicher Zug dieses Sehers war, so gewöhnte man sich daran, den ,,Mann Gottes“ als einen Eremiten zu betrachten. Man bildete sich ein, daß alle heiligen Personen ihre Tage der Buße, ihr strenges Wüstenleben gehabt hätten. Die Zurückgezogenheit in der Wüste war derart die Bedingung und das Präludium hoher Bestimmung. (Leben. Jesu 97,. edit. Reclam.) Wollte also Johannes auf die Gemüter ein wirken, so mußte er in der Gestalt des Elia auftreten. Sein Einsiedlerleben mag also nebst seinem Essäertum auch hierauf zurückzuführen sein. Wenn aber Johannes auf Grund von Maleachi elianische Tätigkeit ausübte, ohne Vorläufer des Messias sein zu wollen, so war seine Tätigkeit, die Predigt vom herannahenden Himmelreich, die Mahnung zur Buße, welche tatsächlich die Vorbedingung des Anbraches der Heilszeit war, wie das schon in den prophetischen Büchern und der späteren Literatur des Judentums vielfach zum Ausdruck kommt1, ferner die Taufe, zugleich messianische Tätigkeit, das heißt, seine prophetische Wirksamkeit fiel mit der messianischen 1 Im Aufruf des Johannes sollte die Buße nicht nur dazu dienen, um Schutz zu gewähren gegen das kommende Gericht, sondern auch um die Herbeikunft des Himmelreiches zu fördern. אם ישראל עושין תשובה ננאלין ואם לאו אין נגאלין — lehrte eine Tradition. (Sanhedr. 97b.)

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