Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Johannes der Täufer
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 5)
- Language
- German
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- Isaiah 1× ep/1005097
- Rashi 1× ep/1002670
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148 נר לבן ישי משיחך. Auch Talmud und Midrasch liefern für die Richtigkeit unserer Annahme zahlreiche Beweise, deren Fundorte allein wir in diesem engen Rahmen angeben können1. Wie also aus all dem ersichtlich ist, stand das pharisäische Judentum hinsichtlich der Messiaserwartung in allen seinen Schichten auf national-politischem Boden2. Anders die E s s ä e r , denen das Nationale fremd war, die ihrem schwärmerischen Charakter gemäß, wie in allem Uebrigen, zweifellos auch in ihrer messianischen Vorstellung das Hauptgewicht auf das Ethische legten. War ja selbst nach nationalem Denken und Fühlen der Messianismus mit ethischen Gedanken durchwoben. Der erwartete Messias sollte nicht nur irdisches Wohl, sondern auch himmlisches Heil herbeiführen. לא ירעו ולא ישחיתו ככל הר קדשי וגר — verkündet schon der Prophet Jesaja vom messia-' nischen Zeitalter. Schon Graetz stellt die sehr einleuchtende Vermutung auf (a. a. O.J, daß die Essäer wohl am meisten idealistisch sich den Messias und die messianische Gnadenzeit ausmalten. Und wenn es eine Schicht im Judentum gab, die sich, wie wir sahen, den Messias als Propheten dachte, so wird das aller Wahrscheinlichkeit nach die essäische Sekte gewesen sein. Johannes der Täufer war aber Essäer. Das leuchtet daraus hervor, daß er als Mittel zur Bekehrung die Taufe wählte, daß er wie die Essäer (Joseph., Vita 2) in die Wüste sich zurückzog3, daß er nach Art der Essäer sich nährte, wie dies auch Graetz richtig feststellt: ,,Seine Lebensweise war in der Tat ganz nach essäischem Zuschnitte." (A. a. O.) Wenn dem aber so ist, so konnte sich Johannes nicht als den Wegbereiter des Messias betrachten, sondern wie der den Messias negierende Hillel (nach dem Kommentar Raschis) es sich dachte: als den Wegbereiter Gottes selbst. Für das Auftreten des Johannes in Prophetengestalt bietet einen Anhaltspunkt Josephus in seinem Berichte über die Essäer, wo er mitteilt, daß es unter ihnen auch solche gab, ,,die, nachdem sie sich von Jugend auf mit den heiligen Büchern, den Sprüchen der Propheten und mancherlei Reinigung vertraut gemacht haben, die Zukunft vorherzuwissen behaupteten/' (B. II, 8, 12.) Und wahrlich, die Predigt des Johannes trug etwas Prophetisches an sich: ,,Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!" Wenn man sich auch zu dieser Zeit den Messias ganz nahe dachte, wie dies auch aus dem Berichte des Josephus 1 Talmud: Berachot 56b, Erubin 48a, Joma 10a, Sukka 52a/b, Megiila 17b, Pesach. 54a, Nedar. 39b, Jebam. 62a, Ketub. 112b, Sanhedr. 38a, 98a► — Midrasch: Beresch. r. 9813, Vajikra r. 92, Bamidbar r. 131G, 1817, 1810י Schir r. 64, 710. Hierher gehören auch mehrere Targumstellen: Targum jer. I und II zu Gen 4910, jer. II zu Num 247, Onkel, und jer. I zu Num 24A7. (Weber a. a. 0. 383.) 2 Und wenn die Mischna, wie oben erwähnt, vom Messias schweigt und zumal Hillel ausdrücklich lehrt: אין משיח לישראל (und wie Raschi Sanhedr. 99a erklärt, daß Gott selbst der Erlöser sein wird), so mag diese partielle Erscheinung auf apokalyptischen Einfluß zurückzuführen sein. War ja das Buch Daniel, wie Josephus A. X, 11, 7 mitteilt, beliebte Lektüre. 3 Dies kann aber, wie wir 1weiter sehen werden, noch einen anderen Grund haben.