Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Johannes der Täufer
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829927-2829931-2832610--46209-2832659- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
150 zusammen, oder mit anderen Worten, er hielt sich für den das Heil unmittelbar herbei führenden Messi as. Und in der Tat blickt die Messianität des Johannes in den Evangelien vielfach durch. Mk 6141־־g und die Parallelen berichten über den Eindruck, den das Auftreten Jesu auf Herodes Antipas gemacht hat. Herodes vernimmt die Nachricht vom Wirken Jesu und ruft aus: ,,Johannes, den ich enthauptet habe, der ist auf erstanden/' Herodes konnte aber nur dann Johannes mit Jesus identifizieren, wenn auch Johannes für einen Messias gehalten worden war1 * * *. Lk 31s teilt folgendes mit: ״Das Volk aber war voll Erwartung und alle machten sich im Herzen ihre Gedanken, ob er nicht etwa der Messias wäre." Mt 112 teilt die Frage des in Haft gesetzten Johannes an Jesus mit. Johannes hört von den ״Werken des Messias", sendet seine Jünger zu Jesus und läßt ihn fragen: ״Bist du der Messias, oder sollen wir eines anderen harren?" Was eine zarte Verschleierung dafür zu sein scheint: Bist du der Messias, oder bin ich es? Nach all diesen Untersuchungen und Beweisführungen scheint die Annahme nicht unbegründet zu sein, daß Johannes sich nicht als den Vorläufer des Messias, sondern als den Messias selbst betrachtete, der das Herannahen des Himmelreiches verkündet und es auch durch seine Wirksamkeit herbeiführen möchte. Und wenn die Evangelien Johannes als den Vorboten Jesu hinstellten, so wird das kaum die Wiedergabe der historischen Wirklichkeit sein, sondern die Widerspiegelung des Gemeindeglaubens, dem es daran lag, Johannes in dieser Eigenschaft figurieren zu lassen, weil die angefochtene Messianität Jesu auf Grund der maleachischen Weissagung auch hiedurch bekräftigt wurde. Die Seele als Vogel־ Eia Beitrag zu den Anschauungen der Agada. Von Dr. V. Aptowitzerin Wien. Eines der ältesten und weitest verbreiteten Erzeugnisse der menschlichen Phantasie, der primitiven sowohl wie der dichterischen und spekulativen, ist es, die Seele ihrer äußeren Erscheinung nach sich in Gestalt eines Tieres vorzustellen. Alle Tiergattungen sind dazu benutzt worden, bevorzugt aber waren die beflügelten Tiere und' unter ihnen besonders der Vogel. Man begegnet dieser Vor- Stellung zu allen Zeiten und in allen Zonen, bei den Naturvölkern und den Völkern der alten und neuen Kultur: Bei Aegyptern, Abessyniern, Arabern vor und nach Muhammed, Armeniern, Böhmen, Chinesen und Japanern, Germanen, Slaven usw. Material und 1 Johannes Weisz im Kommentar zu seiner Ausgabe 127 ist bemüht, diese Identifikation zu motivieren. Er meint: ,,Sie hat ihren Grund darin, daß Jesus die Predigt des .Täufers fortsetzt.6‘ Das ist offenbar gezwungen. Unsere Vermutung ist einfacher und natürlicher.