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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 4 · p. Seite 147

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 4
Article
Johannes der Täufer
Date
1925-01-01
Page
Seite 147 (sequence 4)
Language
German
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147 den hieraus sich ergebenden Widerspruch durch eine Alternative: Wenn Israel würdig, kommt der Messias auf den Wolken des Himmeis, wenn nicht, auf einem Esel. זכו עם ענני שמיא לא זכו עני רכב ער חמוד. (Sanhedr. 98a.) Ebenso Justin, Dialog. 32, wo Trypho die Messiashoffnung mit Dan ^13 begründet, der Messias also mit dem ,,Menschensohn“ identifiziert wird. Der vom Buche Danifel inaugurierten apokalyptischen Richtung, der zufolge man sich den Messias sublimiert, vergeistigt dachte, wird es nun zuzuschreiben sein, daß man sich die zukünftige Erlösung auch ohne Messias denken konnte. Die Jubiläen, die Assumptio Mosis, das zweite Henochbuch, Tobit, Judit, I. und II. Makkabäerbuch schweigen vom Messias. Und es wird auch hierauf zurückzuführen sein, daß man sich in der folgenden Zeit den Messias verschiedenartig dachte. Er ist Nationenkönig, er ist himmlisches, präexistentes Wesen (Henoch), er ist Priesterkönig (Test. Levi), er ist heiliger Herrscher, ayvos äva%, der für immer über die Erde herrschen wird (III. Sibyll. 49), er ist die himmlische Figur des Logos (Philo), er ist Prophet (Joseph. A. XX, 5,1; XX, 8, 6. Mk 8^2־!) Mt 16r12; Lk!!!6• 29”32> J°k 448, 614). Mit Recht behauptet Volz (a. a. O. 196) und vor ihm schon in ähnlicher Weise Graetz (a. a. O. 276), daß die Messiasidee im neutestamentlichen Zeitalter keinen einheitlichen und geschlossenen Charakter mehr aufweist, ״daß die verschiedenen Kreise im jüdischen Volk sich ihren besonderen Messias erdacht und ihn in sehr verschiedener Gestalt erwartet haben: die Pharisäer anders als die Essäer, die Priester anders als die Politiker, die Apokalyptiker anders als die Torastudenten, die Zeloten anders als die Stillen im Lande.“ In pharisäischen Kreisen, in der breiten Masse sowohl als im Kreise der Schriftgelehrten, dachte man sich den Messias im Grunde unstreitig national. Hierauf deutet vor allem unwiderlegbar der Aufstand unter Bar-Kochba hin, den Schriftgelehrte vorbereiteten und das Volk ausführte und der ohne national-politische Auffassung des Messias nie hätte zustande kommen können1. Dann haben wir eine Fülle von Gebeten, die Bitten um das Kommen des Messias enthalten und die von jedermann verrichtet wurden. Ein solches Gebet ist das tägliche Schemone esre-Gebet, in dem folgende, die Ankunft des Messias ersehnende Bitten Vorkommen: וכסא דוד מהרה לתוכה תכין, את צמח דור עבדך מהרה תצמיח, ווכרון משיח בן דוד עבדך. Dasselbe Gebet palästinensischer Recension2 3, wo es heißt: 3רחם ... ועל מלכות בית דוד משיח צדקך. Das Habinum-Gebet babylonischer und palästinensischer Recension. Im ersteren: ובהצמחת קרן לדוד עבדך, im letzteren: ובצמח דוד עבדך ובעריכת 1 Bekanntlich wurde Bar-Kochba als Messias angesehen. Echa r. 2, 5. Sanhedrin 97b. 2 Entdeckt von Schlechter in einer Geniza von Kairo. (Dalman, a. a. O., S. 300.) 3 Wir teilen nicht die Ansicht Volzs 197, daß hier nur vom Königtum des davidischen Hauses und nicht von einem persönlichen Messias die Rede ist. Dies widerlegt das sogleich folgende Habinum-Gebet paläst. Renesion, wo״ es ausdrücklich heißt: ובצמח דוד עבדך. Es ist klar, daß בית דוד metonymisch gebraucht wird für דוד, wie בית ישראל für ישראל u. a. m. 10*

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