Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Johannes der Täufer
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 3)
- Language
- German
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146 Es war also zu jener Zeit schon bekannt von den Schriftgelehrten, daß sie die maleachische Stelle messianisch deuten. Justin, Dialogus cum Tryphone 49 (Volz) berichtet, daß der Jude Trypho Jesus nicht für den Messias halten kann, weil Elia noch nicht gekommen,ist. In der Tat wird Schemot r. 36 das Kommen Elias mit der zukünftigen Erlösung in Verbindung gebracht. Bamidbar r. 142 werden zwei in einem und demselben. Vers vorkommende Namen auf Elia und den Messias angewendet. לי גלעד זה אליהו שהיה מתושבי גלעד לי מנשה זה משיח שעומד מבניו של מנשה. Aehniich Schir r. 2ענה דודי ע״י אליהו ואמר לי ע״י מלך .9״ המשיח. Es unterliegt demnach keinem Zweifel, daß zur Zeit des Auftretens des Johannes die maleachische Weissagung messianisch gedeutet wurde1. Nun drängt sich uns aber die Frage auf, ob Johannes selber die Weissagung des Maleachi messianisch gefaßt hat, das heißt, ob er sich als Wegbereiter Jesu betrachtete, wie es bekanntlich die Evangelien hinstellen2. Es darf nämlich nicht übersehen werden, daß die Messiasidee im Laufe der Zeiten tiefgehende Wandlungen erfahren hat. Schon zur Makkabäerzeit hat die Wahl des Simon zum Fürsten eine starke Bresche in die traditionelle Messiaserwartung geschlagen. Man erwartete einen Erlöser aus dem Stamme Juda, und nun wurde ein Abkömmling aus dem Stamme Levi zum Herrscher gewählt. Welchen Unmut diese Enttäuschung hervorgerufen haben mag, geht aus I. Makk 1441 hervor, wo folgendes berichtet wird: ,,So beschlossen denn die Judäer und die Priester, daß Simon für immer ihr Anführer und Hoherpriester sein solle, bis ein glaubhafter Prophet erstehen würde“. Es bedurfte also einer Beschwichtigung angesichts der getroffenen Wahl. Aber besonders wird die erste Apokalypse, das Buch Daniel, mit seiner mystischen, visionären Messiasgestalt (713) die Messias- Vorstellung beeinflußt haben. Daß man die Vision vom ,,Menschensohn“3 messianisch deutete, geht hervor aus den Apokalypsen Henoch (Bilderreden 46, 61, 71) und IV. Esra 13, wo mit derselben messianisehe Weissagungen kombiniert werden4. Im selben Sinne faßt diese Vision auch der Talmud. R. Akiba legt עד די כרסו! דמיו (Dan 79) so aus, daß von den zwei Stühlen einer für Gott, der andere für den Messias bestimmt ist. אחד לו ואחד לדוד. (Sanhedr. 38b.) R. Jehoschua b. Levi stellt Dan 713 und Sach 9n (עני ורכב על חמול) einander gegenüber und löst 1 Die verschiedenen Funktionen, die der Talmud Elia bei seinem Kommen zuschreibt, daß er in zweifelhaften Fällen Aufschluß erteilen (Baba m. I8, 1I8), daß er dunkle Bibelstellen deuten (Menach. 45a), daß er unlösbare Fragen erhellen wird (תיקי), — dies alles bewegt sich im traditionellen messianischen Rahmen. Wenn Elia zur End zeit als Vorbote des Messias erscheinen wird, wird er auch dies und dies erledigen. I S• Mk 615, 1132; Mt llg, 145, 21^; Lk 172 ,32 ,^׳g, 9g, 206. 3 כבר אנש, eig. Mensch, eine menschenähnliche Gestalt. Ausführlich hierüber Dalman, Die Worte Jesu 191 ff. und Bousset, die Religion des Judentüms etc. 301 ff. 4 Bq Dalman a. a. O. Anders Gunkel zu IV. Esra 13^.