Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Johannes der Täufer
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 2)
- Language
- German
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- Rashi 1× ep/1002670
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145 dem Tage des Ewigen, um das Herz der Väter den Kindern wieder zuzuwenden und um (wieder) herzustellen die Stämme Jakobs1. Selig, der da starb, nachdem er dich gesehen; aber seliger du selbst, der du immer weiter leben wirst!“ (Sirach 4810, n.) Es ist aus dieser Stelle selbst nicht zu eruieren, ob Sirach die maleachische Weissagung messianisch genommen hat oder nicht. Das Fehlen des Messias allein besagt nichts, er wird auch in der Weissagung selbst nicht erwähnt. Da aber Sirach sonst ,,von einem persönlichen Messias absolut nichts weiß“ (Ryssel bei Kautzsch, Apokr. 231), so wird er die maleachische Stelle schlechterdings nicht messianisch genommen haben2. Eine gewisse Verwandtschaft mit dieser Sirachstelle, wie wir schon oben Note 1 angedeutet, zeigt die Mischna Edujot VIXI7, wo die Gelehrten eine Kontroverse über den Sendungszweck des Elia halten und wo nach der Meinung des Rabban Jochanan b. Sakkai Elia nicht zu dem Zweck kommen wird, um unrein und rein zu sprechen, zu entfernen und zu nähern, sondern die mit Gewalt Eingedrungenen zu entfernen und die mit Gewalt Entfernten zu nähern לרחק המקוריבין מרוע ולקרב דזמרוחקין בורויס). Es ist dies, wie Weber (Jüd. Theologie 352) richtig bemerkt, die Aufhellung der Abstammung der Familien (יחוס), wovon auch Kidduschin 71a die Rede ist (הקב״ה מטהר שבטים), die Läuterung und Herstellung der Stämme, dasselbe, was Sirach als Sendungszweck des Elia hinstellt: ,,um wiederherzustellen die Stämme Jakobs“. Und wie Sirach, erwähnt auch die Mischna mit keinem Worte den Messias, worauf schon Volz (Jüd. Eschatol. 196) hingewiesen hat. An sich wäre das belanglos, da anzunehmen wäre, daß der Messias als selbstverständlich vorausgesetzt und verschwiegen wird, wenn die Mischna nicht überhaupt vom Messias schweigen würde3. Lehrt doch Hillel sogar אין משיח לישראל (Sanhedr. 98b). Aber im allgemeinen faßte man doch die maleachische Weissagung messianisch. In diesem Sinne wird sie in der Folge aber- und abermals angezogen. Vor allem beweisen dies die Evangelien, wo auf Grund derselben Johannes in der Figur des Elia als Herold Jesu betrachtet wird. Besonders kommt in Betracht die Stelle Mt 1710, u. ,,Da fragten ihn die Jünger: Was sagen denn die Schriftgelehrten, Elia müsse zuerst gekommen sein? Er aber antwortete und sprach: Elia kommt allerdings und wird alles in Ordnung bringen.“ 1 So erklärt Sirach die Verdoppelung des Ausdruckes: לב אבות״לב בנים; ebenso Rabb. Jochanan b. Sakkai in der Mischna Edujot VIII7. Nach Raschi und Biur z. St. ist וד.שיב im Sinne von Buße (תשובה) zu nehmen. 2 Graetz’ Behauptung (Gesch. 3. I. 274, Note, edit. Braun), daß in dieser sirachidischen Stelle ein Zeugnis vorliege, daß die Messiasidee schon in vorchristlicher Zeit mit einem mystischen Nimbus gelebt hat, ist ein bedauerlicher Irrtum. KaxaaTyjaai ,laxüjß, oder wie es Graetz hebräisch wiedergibt: להקים את שבטי ישראל, involviert noch nicht messianischen Sinn. Auch ist die Konjektur von ישני באדמה für ישני באהבה, wonach hier von einer Auferstehung die Rede wäre, unhaltbar. Sirach kennt kein Jenseits, folglich weiß er auch von einer Auferstehung, die ein Korrelat zu demselben ist, nichts. 3 Nur ein einziges Mal erwähnt die Mischna den Messias: Sota 49b. Monatsschrift, 69. Jahrgang. 10