Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Bekämpfung altorientalischer Rechtsformeln durch die Rabbinen des Talmuds
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 3)
- Language
- German
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141 n o c h 1000 Jahre nach Hosea bekannt und wurde von den Rabbi nen bekämpft; Wir lesen Kidduschin 5b: ,,Hat der Mann zur Frau gesagt: הריני אישך, הריני בעלך (ich bin dein Mann, ich bin dein Eheherr) so ist dies keine gültige Ehe- Schließungsformel; hat er gesagt: איני אישך, איני בעלך >(ich bin nicht dein Mann, ich bin nicht dein Eheherr), so ist dies keine gültige Scheidungsformel“. Tosefta Kidduschin 1! (334, 27 Zuckermandel): הרי את לי לאנתו (du sollst mir zum Weibe sein), ist eine gültige Eheformel; הריני לך לאנתו (die Frau spricht: ich soll dir zum Weibe sein) ist keine gültige Eheformel. Samuel (gestorben 254 in Nahardea) erklärt je drei Eheschließungs- und Ehescheidungsformeln für gültig und je drei für ungültig. Gültig sind: 1.הרי את מאורסת לי.2 .הרי את מקודשת לי. 3. הרי את לי לאנתו; ungültig sind: 1. הריני בעלך .2 .הריני אישך. 3. הריני ארוסך. Gültig sind: 1. הרי את .2 .הרי את משולחת הרי את מותרת לכל אדם .3 .מנורשת; ungültig sind: 1. איני אישך. 2. איני ארוסך .3 .איני בצלך. Die Formeln: ich bin dein Mann, ich bin . dein Eheherr, ich bin dein Versprochener, sind, wie wir gesehen haben, schon von Hosea und zum Teil von Pap. G bezeugt; ebenso die Scheidungsformeln: ich bin nicht dein Mann, ich bin nicht dein Eheherr, ich bin nicht dein Versprochener. Samuel bekämpft gerade die alten, im Munde des Volkes noch weiter lebenden uralten Formeln, indem er sie mit einem starken Ausdruck für null und nichtig erklärt. Er fordert die rabbinischen Formeln und setzt an die Spitze der Eheschließungsformeln die jüngste von allen: הרי את מקודשת לי, während er bei den Scheidungsformeln die dem Bibel wort entlehnten rabbinischen Formeln den rein rabbinischen vorzieht. Die uralte Formel: ,,Du kannst gehen, wohin du willst“, erwähnt er gar nicht. II. Die Verzichtleistung. Von den Rechtsformeln der aramäischen Papyri ist eine der häufigsten und interessantesten: דין ודבב. Es findet sich in den folgenden, vier Hauptformeln: 1. לא אבהל אנתך דין ודבב (B 12, f 7, 9, h 10). 2. ארשנך דין ודבב (C 13, D 12, 20, e 9, 10, H 11). 3. לא דין ולא דבב (C 15, d 14, 21, f 10, G 26, 29, h 16). 4. ואנא רחיק מן כל דין ודבב (F 11). Die Formel דין ודבב findet sich schon im Assyrischen, wie die Herausgeber der aramäischen Papyri bemerken. Der Sinn ist klar: die Vertragspartei erklärt: das Rechtsgeschäft nicht anzufechten, auf ihre Ansprüche zu verzichten. Es ist klar, daß im Talmud dem aramäischen דין־ ודברים * דין ודבב entspricht. דבב faßt der Talmud als ,,reden“ auf1, was es im Assyrischen bedeutet. Der 1 Jebamoth 97a. Siehe Benjehuda Millon, S. 865. Mittelalterliche Pajtanim gebrauchen das Wort im Sinne von Gebet. Siehe auch Gesenius- Buhl16, S. 152.