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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 4 · p. Seite 140

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 4
Article
Bekämpfung altorientalischer Rechtsformeln durch die Rabbinen des Talmuds
Date
1925-01-01
Page
Seite 140 (sequence 2)
Language
German
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140 Die erste Formel ist ־uralt, sie findet sielf schon bei den Assyrem und Babyloniern. Einige Beispiele ans Ehekontrakten. ,,Lat. deine Tochter gib mir, meine Frau soll sie sein“ (13. Jahr Nebukadnezars); ״Nada deine Tochter (zurEhe) gib, meine Frau soll sie sein“ (4. Jahr Kyros')1. Daß in Alt-Israel dieselbe Formel die gangbare war, ersieht man aus den Ausdrücken der Bibel: ,,sie ward sein Weib“ (Gen 2012); ״sie soll dein Weib sein“ (Deut 2113)2. Anders wird der Eheschließungsakt in der Bibel bezüglich der Frau gar nicht ausgedrückt, die Rab- ,binen haben daher sehr richtig הרה als Bezeichnung der Ehe- Schließung verwendet in dem oft gebrauchten Ausdruck מקיש הרה ליציאה (Kidduschin 5b u. oft), was soviel bedeutet, daß ״die Ehe- Schließung mit der Ehescheidung verglichen ist“. Diese Formel bekämpft der Talmud nicht, sie figuriert sogar bis auf den heutigen Tag, wie erwähnt, im Heiratsbrief (Kethuba), nur ist sie praktisch durch die ebenfalls schon erwähnte hebräische Formel verdrängt worden. Dagegen gibt es eine andere Formel, welche ebenfalls uralt, und zwar altisraelitisch und altorientalisch ist, welche der Talmud als unzulässig erklärt. In der besprochenen Formel erklärt der Mann, die Frau sei sein Weib oder soll sein Weib sein. Er kann aber auch die feierliche Erklärung abgeben: ,,Er soll ihr Mann sein“. Im Papyrus G von Assuan (um 440 vor Chr.) liest man: ״Ich kam in dein Haus, damit du mir deine Tochter Mibtachja zur Ehe gibst. Sie ist mein Weib und ich bin ihr Mann von heute an bis in Ewigkeit “3. In einem altbabylonischen Ehekontrakt liest man: ״Die Itani . . . hat Arad-Sama§ . . . zur Ehe genommen. Itani ist seine Gemahlin. (Wenn seine Gemahlin zu Arad-Samas: ״Nicht bist) du (mein Mann“ spricht), wird er ihr ein Mal machen und sie für Geld verkaufen; und wenn Arad-Samas zu seiner Gemahlin :״Nicht bist du meine Gemahlin“ spricht, wird er eine Mine Silber geben“4. Die Bedingungen des Ehe Vertrages sind durch direkte Reden der Vertragsparteien festgestellt, es ist mithin klar, daß die Eheschließungsformel: ״Du bist mein Weib“ und die Gegenformel der Scheidung: ״Du bist nicht mein Weib“ lautete. Diese Formel war auch in Alt-Israel üblich. Hosea (um 800) 24: ״Hadert mit eurer Mutter, hadert, denn sie ist nicht mein Weib und ich bin nicht ihr Mann“. Der Ehescheidungsformel היא לא אשתי ואנכי לא־ אישה׳ entspricht die Eheschließungsformel היא אשתי ואני אישה oder היא אשתי ואני כעלה. Diese Formel, welche im alten Orient und im besonderen auch in A11 - I s r a e 1 ü b 1 i c h war, war 1 Blau, Die jüdische Ehescheidung und der jüdische Scheidebrief (Straßbürg 1911—12), II. Seite 12 f., wo noch andere Belege gegeben sind. 2!ותהי לי לאשר. Targum Jonathan übersetzt: הוי לי לאנתו. Deut 24g והיתה לאיש אחד. Siehe ebenda 2219 und29 ׳; Lev 22^; Num 307; 368, 19; II Samuel 1210; Jeremia Ezechiel 23.4 ״ und andere Stellen. 3 דד אנתתי וא:ה בעלה .מן יומר. זנה ועד עלם. Cowley, Aramaic Papyri of the fifthContury B.C. edited with Translation and Notes, Oxford 1923 (vollständigste und beste Ausgabe), Nr. 15 (S. 44). 4 Meißner, Beiträge zum altbabylonischen Privatrecht, Nr. 89 (S. 70); Blau 1. c., S. 15, wo noch andere Belege.

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