Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Religion und Staat im nachexilischen Judentum
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 7)
- Language
- German
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135 genannt. Das kann in dem überragenden Einfluß des Hohenpriesters, neben dem der Rat nur ein Schattendasein führte, seinen Grund haben; und dieser überragende Einfluß kann rein persönlicher Natur gewesen sein oder auch die veränderte Stellung des Hohenpriesters kennzeichnen. Aber das alles kann auch auf das fast völlige Versagen der Quellen über jene Zeit zurückzuführen sein. Denn wir wissen aus den ersten anderthalb Jahrhunderten der hellenistischen Zeit so gut wie nichts. Nur noch über das Aufkommen des Dynastengeschlechtes der Tobiaden haben wir einige verworrene Nachrichten. Gleichzeitig mit dem Aufkommen dieses Dynastengeschiechtes ist das stärkere Eindringen des Hellenismus durch die stärkere Einbeziehung Palästinas in den Weltverkehr der hellenistischen Welt erkennbar. Wenig später ging Palästina aus dem ägyptischen in den syrischen Reichsverband über, und bald darauf, nach dem Unglückliehen Kriege gegen Rom, trat eine vollständige Wendung in der Innenpolitik der Seleukiden ein. Alle diese Momente wirkten zusammen und ließen das Problem in einer ganz neuen, bisher unbekannten Form in die Erscheinung treten. Denn nun wurde das politische Problem des Staates nicht das jüdische Gemeinwesen, sondern das Reich. Der Konflikt bestand zwischen der Reichsreligion und der persönliehen Religion der jüdischen Reichsangehörigen, die zugleich wiederum die Religion des jüdischen Gemeinwesens war, Statt der bisherigen zwei Faktoren kommen nunmehr drei in Betracht. Das war eine weit kompliziertere neue weltgeschichtliche Konstellation, deren Wucht und Größe die damaligen Menschen zweifellos nicht voll ermessen konnten. Für den Verlauf und Ausgang dieses Konfliktes war entscheidend der bereits erwähnte Umstand, daß — dank nicht etwa Tempel und Priestertum, sondern der Tätigkeit der Schriftgelehrten — im Judentum offizielle und persönliche Religion zusammenstimmten. Das gab dem Widerstand der Juden die Kraft. Die Wiedereinweihung des Tempels hat wiederum Tempel, Opferdienst und Priestertum stark in den Vordergrund gerückt, mehr noch als früher war jetzt der Tempel und der Tempeldienst das Symbol der religiösen Freiheit des Judentums, die kurz darauf durch königliche Verordnung sichergestellt wurde. Aber nun erst ergaben sich neue religiös-politische Komplikationen. Schon in die ersten Kämpfe spielte Politisches und Persönliches hinein. Juda, der Condottiere des religiösen Freiheitskampfes, war der Begründer eines Dynastengeschlechtes. Er verweigerte dem Hohenpriester Alkimos die Anerkennung, der syrischen Herrschaft die Unterwerfung, als militärisch-politischer Machthaber verhandelte er mit Rom. Indes für einen großen Teil der EPTDH hörte mit dem Edikt über die Religionsfreiheit das Interesse an den Kämpfen auf; sie hatten die Loslösung der Religion von der Politik vollzogen. Weder die syrische Reichshoheit noch die politische Leitung des Alkimos wurde von ihnen bekämpft, so sehr ihnen dieser Hohepriester religiös zuwider war. Für sie war der Zweck des Kampfes erreicht, sie verließen Judas Fahnen, der mit seiner winzigen Schar bei Adasa den Untergang fand. Diese Niederlage hat aber lediglich politische Bedeutung; es war die Beseitigung eines aufstrebenden Dynasten. Fast unmittelbar darauf starb Alkimos. In den syrischen Thronwirren kam Jonathans Dynastenmacht zu raschem Aufstieg,