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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 4 · p. Seite 134

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 4
Article
Religion und Staat im nachexilischen Judentum
Date
1925-01-01
Page
Seite 134 (sequence 6)
Language
German
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134 Seite steht nicht ein einziger Priester, sondern zahlreiche Leviten. Die Priester sind von aktiver Teilnahme gänzlich ausgeschlossen. Nur bei der Bundesschließung, an der alle teilnehmen, werden sie an der ihrem Range gebührenden Stelle aufgeführt. Und trotzdem mußte ganz naturgemäß Tempel und Tempeldienst eine erhöhte Bedeutung erhalten — ganz ähnlich wie in dem Zukunftsbau Ezechiels — als das für alle Juden sichtbare Symbol der religiösen Einheit; hier überdies auch um deswillen, weil Tempel und Opferdienst in dem Buche des Bundes, in der Thora, enthalten war. Dazu kam aber ein weiteres Moment, das sich in derselben Weise nach den entgegengesetzten Richtungen aus wirkte, die jüdische Diaspora. Jede Religion verändert sich in der Diaspora. Der Blick wird weiter, sie setzt sich mit anderen Kulturelementen auseinander, nimmt manche auf und verarbeitet sie und arbeitet ihr eigenstes Wesen im Gegensatz zu den anderen schärfer und besser heraus, sofern sie nicht in den anderen aufgeht. Hier ist aber noch ein anderes. Zunächst gab es damals eine nennenswerte Diaspora eigentlich nur bei den Juden. Sodann kommt die zahlenmäßige und die kulturelle Bedeutung, ja Ueberlegenheit des Diasporajudentums in Betracht, das in Babylonien und seit Beginn der hellenistischen Zeit auch in Aegypten in kompakten Massen saß. Ferner, wo immer sonst eine Diaspora war, hatte sie die gleiche Art der Gottesverehrung wie in der Heimat. Einzig das Diasporajudentum hatte keinen Tempel, sondern die Synagoge. Der Diasporajude hatte die Sehnsucht nach dem Zentralheiligtum; aber nur die wenigsten konnten diese Sehnsucht auch nur einmal im Leben befriedigen. So gabjes ein Judentum ohne Tempel und ohne Staat, und die Einwirkung auf das Mutterland ist in der Entstehung der Synagogen in Palästina und in der steigenden Bedeutung der von Babylonien ausgegangenen Schriftgelehrsamkeit unverkennbar. In diesem Diaspora judentum mußte dem religiösen Individuum eine größere Bedeutung zukommen, die Religion konnte nicht in dem Maße wie sonst lediglich Sache der Gemeinschaft sein, der Charakter der Gemeinschaft war ein anderer, sie war zur Gemeinde geworden. So konnte die Religion nicht so veräußerlichen wie es beipsielsweise bei der griechischen Religion der Fall war. Ein Jahrhundert nach Esra war die Volksbelehrung in vollem Gange, und unter den Schriftgelehrten überwog das nichtpriesterliehe Element. So wurde im damaligen Judentum anders als vielfach sonst die offizielle Religion gleichzeitig die Religion des Einzelnen, das sonst häufig vorkommende Auseinanderklaffen war vermieden, der Tempeldienst keineswegs das Maßgebende, und doch der Tempel das Symbol der religiösen Einheit und der Hohepriester ihre Verkörperung trotz des steigenden Einflusses der Schriftgelehrten. Und dieser Hohepriester vereinigte mit der religiösen Autorität die Staatliehe. Eine Persönlichkeit wie Simon der Gerechte, eine hervorragende Regentennatur, zugleich ein glänzender Vertreter der Hohenpriesterwürde und ein hochangesehener Schriftgelehrter, -mußte die Verbindung von Religion und Politik fördern. Die großen Werke seiner Regierung werden von ihm allein berichtet, der Rat wird nicht

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