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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 4 · p. Seite 132

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 4
Article
Religion und Staat im nachexilischen Judentum
Date
1925-01-01
Page
Seite 132 (sequence 4)
Language
German
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132 zugrunde gegangen waren. Die bitteren Enttäuschungen der ersten Zeit, die politische Ohnmacht, die wirtschaftliche Not, die Inhibierung des Tempelbaues — das alles wirkte zusammen. Die Hoffnung verstärkte sich, daß mit der Wiederherstellung wirklicher politischer Selbständigkeit alles sich wenden würde. So ist 520 von Haggai und Secharja der Tempelbau wohl aus religiösen Gründen, aber zugleich aus starken politischen Motiven und mit großen politischen Hoffnungen betrieben worden. Ihre Prophetie ist in dieser Hinsicht wesentlich anders eingestellt als die Prophetie der früheren Zeit. Für die Masse des Volkes bestand vollends kein Zweifel. Religiöse und politische Hoffnungen flössen zusammen, Religion und Staat waren eins. Aber schon bei der Einweihung des Tempels waren die politischen Hoffnungen begraben. Deutlich erkennbar war die Fremdherrschaft aufgerichtet. Anstelle des Davididen, der ja freilich auch nur als persischer Pecha die Verwaltung führte, dessen Leitung aber dem Volke die Wiederherstellung der alten staatlichen Selbständigkeit vortäuschte, übte jetzt und dann dauernd ein von der Reichsregierung bestellter persischer Beamter die Reichsgewalt aus. Dem aristokratischen Rat, an dessen Spitze allerdings anscheinend auch weiterhin ein Davidide stand, waren kaum mehr als etwa die Aufgaben kommunaler Selbstverwaltung zugewiesen. Der Landpfleger aber konnte nach Gutdünken in alle, auch in die religiösen Angelegenheiten eingreifen. Nehemia regelte als Landpfleger die Tempelabgaben und traf Bestimmungen über Tempel und Priester. Und Bagoas hat den Brudermord im Tempel als Vorwand benützt, um sehr energisch einzuschreiten. Der harte Druck, den er jahrelang ausübte, die Beschränkung der Selbstverwaltung hat offenkundig eine wesentliche Verminderung des Ansehens und des Einflusses der regierenden Adelsgeschlechter zur Folge gehabt, während trotz des Brudermordes die Stellung des Hohenpriesters unangetastet blieb. Das nachexilische Judentum ist während der ersten anderthalb Jahrhunderte der Perserherrschaft kein Priesterstaat gewesen. Erst unter Artaxerxes II., unter dem ja auch, was für die gesamte geistige Einstellung keineswegs gleichgiltig ist, die Umbildung der persischen Religion durch Aufnahme der Götterbilder zu einem gewissen Ab- Schluß gelangt ist, begann die Wandlung, die den Hohenpriester in die führende Stellung im Rat brachte. Mit dem Schwinden der Reichsmacht mußte dieser erbliche Priesterprinzipat in den Rang eines selbständigen Vasalleixfürstentums einrücken. Der Vorgang ist analog den Anfängen der Machtbildung der Bischöfe von Rom in der byzantinisch-langobardischen Zeit. In der hellenistischen Zeit finden wir den Priesterstaat als vollendete Tatsache. So war mit dem Ausgang der Perserzeit die Theokratie anscheinend vollendet, der Kreislauf geschlossen, Religion und Staat noch weit enger aneinander gebunden als einst in der israelitischen Königszeit, weil jetzt beider Leitung in einer Hand war. Demzufolge schien die prophetische Tendenz der Lösung der Religion vom Staate aufgehoben zu sein. Und doch ist dieser Schluß nur teilweise berechtigt, weil die beiden Komponenten andere geworden waren. Die Vereinigung ist herbeigeführt und andererseits wieder gehemmt, jedenfalls aber ganz anders

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