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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 3 · p. Seite 109

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 3
Article
Alchemie und Kabbala
Date
1925-01-01
Page
Seite 109 (sequence 15)
Language
German
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109 gewirkt — war die Brücke, geschlagen, die zu der in gleicher Richtung zielenden mystischen;Auffassung der Alchemie-hinüberführte. Als Paulus de Heredia und Reuchlin — der eine als Pseudograph, der andere als Gläubiger — der jüdischen Kabbala die christliche Krone auf setzten ) indem sie; das Geheimnis des Namens Jesu יהשוה als messianischer Auffüllung des Tetragrammatons durch das ש als Symbol der Dreieinigkeit in ihr fanden, war die Entwick- .lung vorgezeichnet. Widerstrebende Einzelheiten konnten leicht ausgeschaltet werden, und ohne daß irgendwelche Unredlichkeit oder Gewissenlosigkeit der Terminologie vorläge, konnte die Kabbala im Lauf von 150 Jahren dieser Entwicklung durch das Medium Christlicher Mystik hindurch zu mystischer Alchemie werden. Daß auch auf diesem Wege jeder eigentlich kabbalistische Gehalt verloren gegangen ist, und nur die Zusätze zu ihm den alten Namen mit verwandeltem Inhalt weitergetragen haben, ist klar. Die rein mystischalchemistische Stimmung der ersten rosenkreuzerischen Mysterien Andreäs1 2 wurde bald in der Berührung mit den hier dargelegten beiden Einflußlinien unrettbar ״kabbalistisch“ infiziert. Das Ueberwuchern hebräischer :Symbole, die aber keinerlei Wurzel in der jüdischen Mystik haben, begleitet diesen siegreichen Assimilierungsprozeß. Die Namen vieler einzelner Bünde — ob die Bünde :selbst je existiert haben, ist gleichgültig, auch die fiktiven Namen beweisen genug — werden hebraisiert, die Titel der Schriften ebenfalls gern (Jehi Or u. dergl.). Und ich wüßte kaum ein besseres Beispiel dieses Einflusses, . als den legendären Namen eines ,,Cabbalistical order“ d. h. eines Rosenkreuzerbundes des 17. oder 18. Jahrhunderts, den ich in korrupter Form in einem englischen Lexikon theosophischer Schlagwörter fand, und der als kabbalistisches Schlüssel- und Mysterienwort einer visionären Bruderschaft am Ende eines Kapitels von : Gustav Meyrinks ״Golem** auftaucht: 2חברת זרע אוד בקד. Dieses geheimnisvolle kabbalistische Symbol, Autor und Lesern gewiß gleicherweise unverständlich, in dem gelesensten ״kabbalistischen** Buche der Gegenwart bedeutet nichts 1 Es ist bekannt, daß die ״chymische Hochzeit“ usw. heftig gegen die wörtliche, naturalistische Auffassung der Alchemie auftreten. Daß in der Entwicklung, die sich an die Veröffentlichung der rosenkreuzerischen Grund- :Schriften knüpfte, doch sofort wieder die naturalistische Alchemie sich einnistete, so daß die christliche Kabbala bei ihrem Eindringen über Fludd schon -auf beide Elemente traf, beweist nicht so sehr, daß die Schriften Andreas «infach mißverstanden worden sind;,es spricht eher dafür, daß die Kraft der alchemistischen Bewegung aller Lager, die sich von diesen Schriften im Innersten ängespröchen fühlten, so stark war, daß sie die polemische Haltung des reinen Mystikers in die doppelgesichtige des mit symbolischen Ritualien arbeitenden abschwächen konnte. , 2 ״Der Golem“ 191:6, p. 271. Die Orthographie, welche die Transkription durch englische Hände verrät, ist schauerlich: CHABRAT ZEREH AUR BOCHER, das letztere Wort nicht aus בדוור, sondern aus בקד korrumpiert. Meyrinks Quelle ist eben jenes theosophische Lexikon, das er mich freundlicher Weise in seiner Bibliothek einsehea ließ: Blavatsky, The Theosophical Glossary, London 1892. {Korrekturzusatz: Nach dem mir erst während des Druckes zugekömmenen neuen Werke A. E.-W aite’s:: The Brotherhood of the Rosy Gross, London 1924, p. 581. wäre der Orden noch jüngeren Ursprungs. Waite gibt als Namen Chabrat Lerech [I] Aur Boqr an, wobei wenigstens das letzte Wort richtig für בוקר umschrieben ist.)

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