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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 3 · p. Seite 107

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 3
Article
Alchemie und Kabbala
Date
1925-01-01
Page
Seite 107 (sequence 13)
Language
German
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107 Konnten die Alchemisten schon aus der Gleichsetzung der natürlichen, sozusagen experimentellen Magie mit der Kabbala in der Agrippaschen Schule eventuell den Schluß ziehen, daß auch die natürlichen, experimentellen, und doch okkulten Prozesse der Alchemie unter den Sammelbegriff Kabbala fielen, so konnten die mehr oder weniger mystisch und theologisch Gestimmten unter ihnen1 die ,,christliche Kabbala“ zur Identifikation der beiden heterogenen Mächte benutzen. ,,Christliche Kabbala“ nenne ich hierbei jene Bewegung, die den objektiven Sinn der theoretischen Kabbala darin gefunden zu haben glaubte, daß hier eine esoterische Philosophie und Grundlegung der christlichen Dogmatik vorliege. Die historische Bedeutung dieser Bewegung ist bekannt; von Pico de Mirandola und Reuchlin ist sie über Pietro Galatin und eine große Zahl von Deutschen, Italienern und jüdischen Renegaten des 16. Jahrhunderts mit ihrer Hauptkraft in die als Rosenkreuzertum bekannt gewordene Strömung des 17. Jahrhunderts eingemündet. Hierbei ist auch für uns völlig gleichgültig, ob eine wirkliche Organisation der ״Brüder vom Rosenkreutz“ je vor dem 18. Jahrhundert bestanden hat. Zwei der für die Rosenkreuzerei bedeutendsten Männer, die tiefsinnigen englischen Mystiker Robert F1 u d d und Henry More waren die letzten hervorragenden Vertreter der ״Christliehen Kabbala“, die vor allem durch den gewaltigen Einfluß dieser Männer das Rosenkreuzertum durchsetzte. Kurz vor dem Auftauchen des letzteren spielt für die christliche Kabbala eine große Rolle der berühmte Alchemist und Mystiker Heinrich Khunrath (gestorben 1605), dessen 1609 erschienenes großes ״Amphitheatrum . . . christiano-cabbalisticum, divino-magiciim nec non physicochymicum“ ein wichtiges Stadium des hier geschilderten Uebergangsprozesses darstellt. Die großen mystischen Kupfer dieses Buches galten in weiten Kreisen als klassische Darstellung dessen, was unter Kabbala verstanden wurde2. Da bis 1677, dem Erscheinungsjahr der Kabbala denudata, nur eine ganz verschwindende Zahl kabbalistischer Texte in den Kreisen der christlichen Kabbalisten bekannt waren und eine Rolle spielten, läßt sich die Entwicklung des eigentlich Kabbalistischen leicht übersehen. Außer dem Buch Jezira und den durch Paul Riccius 1516 großenteils übersetzten SchaareOra des Joseph Gikatilia war kein echtes kabalistisches Werk in diesen Kreisen verbreitet! Was im Uebrigen nicht bei Reuchlin, 1 Kopp II, p. 206: ״Die Theologen gaben sich von jeher sonderlich gerne mit Alchemie ab“. Der Grund dafür ist schon am Anfang dargelegt worden. 2 Cf. dazu auch Papus, die Kabbala (1921), p. 110—126־. Es gibt auch einen ״Bericht eines Cabalisten über die Figuren des großen Amphitheatri Khunradi“, cf. Katalog ״Alchemie“ von J. Halle, München 1924, p. 22, Nr. 115. Eine ähnliche bildliche Darstellung der christlichen Kabbala findet sich auf der, wenig bekannten, kabbalistischen Lehrtafel der Prinzessin Antonia von Württemberg, die seit ca. 1660 in Bad Dein ach in Württemberg in der Kirche hängt, und die, auch nicht ohne älchemistische Motive, den Gästen der Heilquellen die ,,Abglänze Gottes in ,den metallischen Wassern“ vorführen will. Eine ausführliche Erläuterung dieser Tafel hat der schwäbische älchemistische Theosoph Friedrich Christoph Öetinger, ein Spätling der christlichen Kabbala, in einer eigenen Schrift gegeben (auch in Sämtliche Schriften II. Abteil. 1. Bd. 1858). ’

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