Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Alchemie und Kabbala
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2829132-2829927-2829930-2832481--46123-2832565- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
105 lieh jemand ,,aus einem der Regale seiner Bibliothek eine Handschrift hervor, die nichts geringeres war als das Manuskript des Aesch Mezareph, das Buch des Juden Abraham und des Nikolas Flamel wiederhergestellt, übertragen und kommentiert durch Eliphas Levi“!! Die. mythologische Sicherheit, mit der alle diese, in den obigen Untersuchungen besprochenen Dinge identifiziert werden, ist bewundernswert und für das synthetische Denken Eliphas Levis* dem die Identifikation ihren Ursprung verdankt, charakteristisch. Denn dieser , große Mystagoge hat in. der Tat, zwar nicht in einer geheimnisvollen Handschrift, aber im Supplement zu seinem zuerst 1860 gedruckten Clef des grands mysteres (p. 405 ff.) einen solchen angeblich rekonstruierten oder gar ,,wiederaufgefundenen“ Text des Aesch Mezareph zusammenphantasiert, womit er sich auch hier als ein echter Nachfahre der alten alchemistisch-mystischen Pseudepigraphie erweist1. V. Zum Verständnis des Ueberganges von der Kabbala zur Alchemie* wie er sich seit 1500 vollzog, scheinen mir zwei Elemente wichtig* die diesen, wie wir sahen, recht sonderbaren Bedeutungswandel im Wesentlichen herbeigeführt haben mögen. Hierbei lasse ich billig, ohne seinen Einfluß übrigens zu unterschätzen, das dritte Element beiseite, das hier mitgewirkt hat und am nächsten liegt: die Marktschreiexei. Von ihr gelten Kopps Worte, die er mit Be- Ziehung auf manche Kategorien alchemistisch-kabbalistischer Werke gebraucht2: ,,Für sie . . . war die Kabbala nur die Klapper, welche meist schon auf den Titeln in Bewegung gesetzt wurde, um die Aufmerksanikeit des leselustigen . . . Publikums auf Bücher zu lenken* deren Verfasser von dieser Art von Geheimwissen auch nur in Rücksicht darauf, was und wie es das leisten solle, nichts verstanden“. Ob Kopp nun der Meinung war, andere Elemente hätten eine ech t e Beziehung zwischen der Alchemie und Kabbala gestiftet, besonders seit dem Erscheinen der Kabbala denudata, habe ich aus seinen etwas ironisch klingenden Aeußerungen a. a. O. nicht gewiß entnehmen können. Es scheint aber so. Und in dieser Richtung möchten die folgenden Ausführungen auch als Ergänzungen und Berichtigungen zu den seinigen gelten. 1 Nach Abschluß dieser Arbeit erst gelang es mir, des Waite’schen Buches Doctrine and Literature of the Kabalah von 1902 habhaft zu werden, in dem sich ein Kapitel über das Buch Aesch Mezareph befindet, p. 308—14. Dieses Kapitel schildert mehr die Geschichte des Aesch Mezareph nach Rosenroths Zeit, d. h. seine Wirkungen auf Alchemisten und Occultisten, als daß es etwas zur Analyse des Buches selbst sagte. Waite behauptet, es sei schon der Pardes Rimmonim Gordoveros dort zitiert, was zwar zu dem chronologischen Ansatz, den ich oben gab, passen würde, aber nicht stimmt. Bemerkenswert ist, daß nach W.’s Mitteilung die Knorrschen Excerpte aus dem Buche in London 1714 gesondert erschienen sind (unter dem Titel ״Aesch Metzareph or Purifying Fire [I]“) und 1894 in den Gollectanea Hermetica IV von Wynn Westcott wieder abgedruckt worden sind. Waite hat nur diese 2. Edition gesehen, welche scheinbar auch gar nicht zum Aesch Mezareph gehörende Stücke fälschlich aus Knorr oder der 1. Ausgabe aufgenommen hat. Dieser erste Drück scheint sehr selten zu sein. Waite setzt die Abfassung des Buches; in den Beginn des 17. Jahrhunderts, was etwas zu spät sein dürfte. 2 II, p. 232,