Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Alchemie und Kabbala
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 10)
- Language
- German
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104 wenn ihre Harmonisierung nicht nur — wie später oft und gern — iti ällgemeinen Redensarten, sondern im Einzelnen durchgeführt werden soll. Gegen das Vorhandensein einer kabbalistisch-alchemistischen Tradition und Richtung spricht dieser unbeholfene und, .erfolglose Versuch eine zu schaffen ebenso sehr, wie er für die Stärke des nicht jüdischen Einflusses auf einzelne Kabbalisten zeugen mag1. Es sei nur im Vorübergehen bemerkt, daß eine ähnliche ver~ £inzelte Erscheinung. eines Kabbalisten und Alchemisten in Einem auch in der Gegenwart ein alter, aus Marokko eingewanderter jüdischer Adept in Jerusalem ist, der (ohne hebräische Quellen) eine An י־ Weisung zur Alchemie zusammen auch mit mystischen Abhandlungen verfaßt hat. Außer Knorr von Rosenroth hat kein Gelehrter das Esch mezareph gekannt. Ob die Handschrift in seinem Besitz war und sich eventuell bei Nachforschungen nach seinem Nachlaß noch irgendwelche Spuren von ihr finden ließen, vermag ich nicht zu sagen. Daß die alchemistischen Autoren, welche nach Knorr schrieben,, das Buch nur aus der Kabbala denudata kannten, ist sicher. Da aber der Text selbst nicht mehr in voller Form vorhanden war, sosetzte hier natürlich sogleich die ־ alchemistische Pseudepigraphie ein, die zu dem Titel nun auch; ein ganzes Buch, schrieb. Daß diese :Schriften nicht echt sind, folgt nach dem, was oben über den wirkliehen Charakter des Buches gesagt worden ist, schon aus den unmöglichen Behauptungen der Titel. So führt ,Kopp II, p. 233 aus dem Graffersehen Katalog von 17862 folgende Hss. an: ,,Beschreibung,, den philosophischen. Stein zu verfertigen, kabalistisch beschrieben aus :dem Phisiko-kabalistischen Buche ,Aesch Mezareph“, wo sie aber ,;gar. nicht steht, ein ״Compendium Libri Cabalistico-Chemici Aesch Mezareph dicti de Lapide Philosophorum3 pertractantis cum praefätione at commentario Leandri de Meere. Dieses Buch hat 500 Dukaten gekostet“ (!). Derselben Pseudepigraphie verdankt ihren Ursprung auch die. ״Goldene Cabala der Juden wie auch An- Weisung der Sephiroth, wie die Verwandlung der Metalle geschehen mükse“.: Die Ignoranz dieses Titels ist aber freilich noch nichts gegen jenen mysteriösen Texf, den man noch bei dem berühmten J. K. Huysmans, dem Romancier des ,,Satanismus“, so ehrfurchtsvoll, erwähnt findet. In dessen Lä-bas Kap. 6 zieht näm- 1 י Zum Titel des Buches möchte ich noch bemerken, daß ich mich entsinne, an einer Stelle in den Tiqqune Sohar oder dem Sohar chadasch in einer- Aufzählung der Arten des Feuers, auch das אש מצרף erwähnt gefunden zu haben. Ich habe die Stelle damals leider nicht notiert und habe sie bishernicht wiedergefunden. ü2 * * * Gatalogus manuscriptorum , chemico-alchemico-magico-cabalisticomedicQ-physico-curiosorum, ein merkwürdiges Büchelchen, welches das deutliebste und auch abschreckendste Material dafür liefert, womit alles in okkulfistischen Kreisen des 18. Jahrhunderts die ״Kabbala“ identifiziert wurde. Cf; Kopp II, p. 223, 236 ff. Cf. auch Gaillet, Manuel Bibliographique des Sciences Psychiques (1913) Nr. 2080* der eine sehr umfangreiche andere- Ausgabe dieses Kataloges kennt.;; 8 Bis hierher ist der Titel wörtlich dem Titelblatt der Kabbala denudata;nachgeschrieben. Bestenfalls enthielt die Handschrift also wohl die Zitate jbei.Khorr und der horrende Preis wurde im Wesentlichen für den Kommentar bezahlt. ..