Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Alchemie und Kabbala
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 9)
- Language
- German
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103 Abul Faradsch bezeugt, er habe Magie getrieben und ein Sonnenamulett aus Gold und mit dem typischen Bilde des Löwen hergestellt, dessen zweite Seite aber ein magisches Quadrat trug, das nach der Agrippaschen Tafel dem Saturn angehört. Dieser sizilianische, an Magie interessierte, Jude kannte also ersichtlich die Systematisierung der Zahlenquadrate nach den Planetenfolgen noch nicht l Dafür, daß der Autor des Esch mezareph Arabisch, verstand und direkt aus arabischen Quellen geschöpft hätte, spricht nichts. Daß er aber Lateinisch verstand, dafür sprechen, wie oben erwähnt, seine Etymologie von אפפילבא und seine Bemerkung über Jupiter. Pseudo-Avicennas Schrift De anima war lateinisch weit verbreitet und auch gedruckt. Stand er aber unter lateinischem Einfluß, so war dies jedenfalls der des Agrippa, wenn nicht ein noch späterer. Das Esch mezareph scheint auch in der Tat das einzige Buch zu sein, das den Gedanken übernommen hat. Und da es keinerlei Verbreitung gewonnen und in der jüdischen Literatur selbst keinerlei Spuren hinterlassen hat, so kann man wohl sagen, daß es sehr voreilig ist, wenn Athanasius Kircher, Bischoff u. a. diese Amulette als kabbalistisch ausgeben. Der Autor des Esch mezareph selbst führt sie an keiner Stelle als ,,kabbalistisch“ an. Aber nicht nur im Aufriß, sondern auch in den angeführten Musterbeispielen der betreffenden magischen Quadrate stimmen Agrippa und der Autor des Esch mezareph überein — bis auf das Quadrat der Sonne, des Goldes. Denn hier hat der letztere Autor die Reihensumme 111 durch ein Quadrat der Reihensumme 216 ersetzt, um die Beziehung auf den Löwen, das Symbol der ,,Stärke“ (der Sephira Gebhura) hervortreten zu lassen. אריה hat den Zahlenwert 216. Hier ist also der Sephirasymbolik zu Liebe das Schema in einer Kleinigkeit verändert worden. Daß der Autor magische Bücher benutzte und ausschrieb, folgt auch klar aus p. 304. Hier zitiert er die am Schluß des Sohar III, 299a/b befindliche Stelle über das magisch-medizinische Wunderbuch 1ספרא דקדפמא אפ״א und sagt, diese Stelle habe ihn bewogen, auf die Suche nach ähnlichen guten und geheimen Büchern zu gehen, und was er hier lehre, habe er mit Gottes Beistand ( <כיד ה׳ הטובה עלי ־dort gefunden. Daß die Bücher hebräisch gewesen wären, sagt er dabei nicht. So haben wir es denn in dieser Schrift mit einem Synkretismus zu tun, wie er etwa einem gelehrten italienischen Juden der Renaissance im 16. Jahrhundert am ehesten zuzutrauen ist. Von Goldmachen ist, gemäß der auch ihn beherrschenden kabbalistischen Symbolik, weniger die Rede als von Metallverwandlung und speziell Silberherstellung. Die mystisch-kabbalistischen, chemischen und astrologischen Elemente liegen sehr schwach und lose verknüpft nebeneinander, und dieser vereinzelte Versuch der Verbindung der drei Kreise zeigt deutlicher als alles andere, wie wenig sie miteinander zu tun hatten und wie wenig die kabbalistische sich mit ״der alchemistisch-astrologischen Symbolreihe zusammenbringen läßt, 1 Diese merkwürdige Stelle hat übrigens eine Parallele im Sohar chadasch Abschn. Balaq (ed. 1885, f. 55a), wo ein Judan von Caesarea als Autor bezeichnet wird. Die Stelle im Soh ar selbst ist eine ganz ausgezeichnete ^Beschreibung eines typischen magischen mittelalterlichen Textes.