Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Alchemie und Kabbala
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2829927-2829930-2832481--46120-2832562- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
102 nach den kabbalistischen. Symbolen ordne. Aus dem Zusammenhang ergänzte Relationen stehen in Klammern: Planet Reihenzahl des zugehörigen magischen Quadrates Metall Sephira | Sephira des betr. Metalls bei Vital (siehe oben) Saturn 3 Blei Chokhma Hod Jupiter (4) Zinn Bina u. Nezach Nezach Mars 5 Eisen Tiphereth Malkhuth Sonne 6 Gold Gebhura und Tiphereth Malkhuth Venus 7 Kupfer Hod Tiphereth Merkur 8 Quecksilber Jessod Jessod (Mond) 9 Silber Chessed Chessed Diese Tabelle lehrt aufs sinnfälligste Folgendes: Diese Symbolik ist nicht etwa in kabbalistischen Kreisen entstanden, in denen ja ohne Zweifel die Reihenfolge der Sephiroth für die Ordnung der Reihenzahlen der Quadrate maßgebend gewesen wäre, sondern in astrologischen, welche in einfacher Umkehrung des Näheverhältnisses zur Erde die Planetenfolge zu Grunde gelegt haben. Und zwar ist das zweifellos mit bewußt systematischer Absicht geschehen. Wie wenig die ganze Reihe sich mit der alten kabbalistischen Symbolik vereinigen läßt, geht schon daraus hervor, daß der Saturn hier Chokhma zugeordnet werden muß, während die Tiqqune Sohar in Nr. 70 gerade ihn ausdrücklich auf die untersten Sephiroth Jessod oder Malkhuth beziehen. Ich glaube nun, daß diese Planetenamulette erst über das Werk Agrippas. von Nettesheim ,,De occulta philosophia‘f in einzelne jüdische Kreise eingedrungen sind. Agrippa führt diese ganze Symbolik, soweit bisher bekannt ist, zuerst in genau derselben Form, wie wir sie im Esch mezareph finden, in weiteren Kreisen des Abendlandes ein. Er widmet ihr das ganze 22. Kapitel des II. Buches De occulta philosophia. Und zvrar zitiert er sie weder von den Arabern — von denen sie, wie mir sicher scheint, herstammt1 ־— noch von den Kabbalisten, sondern einfach aus ,,magischen Schriften“. Hätte er kabbalistische Quellen dafür benutzt, so hätte ein Autor wie Agrippa gewiß nicht unterlassen, darauf irgendwie hinzuweisen. Die von ihm gezeichneten Planeten- Charaktere sind den Juden ganz fremd, den Arabern und der spätmittelalterlichen christlichen Magie aber bekannt. Im 15. Jahrhundert ist uns vom Vater des Raimund de Moncada2, dem Rabbi Nissim 1 Die Magie als eine systematisierte Wissenschaft ist von den Arabern, die bekanntlich ein eminent ansgebildetes Bewußtsein für Systematik hatten, aufs höchste entwickelt worden. Sie haben auf diesem Gebiete eine untibersehbare handschriftlich erhaltene Literatur geschaffen. Gerade über Amulettwesen sind sie wohl die einzigen ausführlichen und systematisierenden Autoren, und zwar ist das astrologische Amulett ein beliebtes Thema vieler arabischer Hss. Es wurde vor allem auf die ״Sabier“ zurückgeführt. Cf. ganz ähnliche sabische Motive über Zuordnung von Planeten und Metallen im More Nebhukhim III, Cap. 29. 2 Cf. Ähre ns, p. 7 und 15, der aus einem mir nicht zugänglichen Aufsatz Steinschneiders (Ueber Mathematik bei den Juden?) zitiert. Ueber Raimund de Moncada, cf. Hebr. Uebers., p. 986.