Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Alchemie und Kabbala
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 7)
- Language
- German
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101 p. 206 über das׳ Eisen, ganz unrettbar mit der Goldsymbolik kollidierend1, p. 242 über den Schwefel2, Aus dem chemischen Material kann ich keine Schlüsse auf das Alter der Schrift ziehen. Das Kabbalistische fällt ersichtlich noch in eine Zeit vor der Ausbreitung der lurianischen Kabbala und möchte etwa im 16. Jahrhundert (in Italien?) entstanden sein, als speziell die zügellose Anwendung der Gematria sich in der gesamten Kabbala erst recht auszubreiten begann. Auch die ältere literarische Form des Buches als Anrede an einen Schüler — cf. das typische דצ בניי am Ende der Einleitung —1 welche von den Kabbalisten später kaum mehr gebraucht wird, scheint mir für diese Epoche zu sprechen, in der sie sich in italienischen Kabbalawerken des 16. Jahrhunderts noch öfter findet, z. B. bei Elia von Genezzano u. a. Und diese Zeitbestimmung folgt vor allem aus dem dritten, astrologisch gerichteten Bestandteil des merkwürdigen Buches. Von sechs Metallen nämlich führen die erhaltenen Zitate3 ihre ,,Kamea“ an, d. h. das Amulett mit magischen Zahlenquadraten einer bestimmten Reihenzahl, das dem diesem Metall zugeordneten Planeten entspricht. Diese letztere, planetarische Zuordnung wird außer für das Silber, bei dem das System nicht paßt, für alle Metalle an• geführt und entspricht völlig der alten klassischen Relationstafel der Astrologen. Ich gebe im Folgenden eine Tabelle dieser Zuordnungen, die ich aber nach der überlieferten Planetenreihe und nicht 1 Hoc metallum est linea media pertingens ab uno extremo ad aiterum [1 הקו האמצע• המבריח מן הקצה אל הקצה] Hic est.masculus ille et sponsus». sine quo non impraegnatur virgo. Hic est sol sapientum, sine quo luna perpetua erit in Tenebris. Qui novit radios eos in die operatur, ceteri noctu palpitant. 2 Nam sulphura auri et ferri, quorum extractio a multis docetur et facilis est; item auri, ferri et aeris, item auri, ferri, cupri, stibii, quae post fulmina per acetum colliguntur ex lixivio, mutata in oleum rubrum cum hydragyro (!) madido, argentum tingunt. Dieses letztere Zitat ist mir nicht klar geworden. * pp. 2634 ,625 ,443 ,304,359 ,1ל des ersten Bandes der Kabbala denudäta. Die betreffenden Stücke sind W. Ähren s« in seiner sehr verdienstvollen Arbeit: ״Hebräische Amulette mit magischen Zahlenquadräten“, Berlin 1916״ unbekannt geblieben. Ich halte die meisten der betreffenden von Ahrens angeführten Amulette keineswegs für jüdischen Ursprungs, nicht trotz, sondern gerade auch wegen der meist auffällig unbeholfen und schülerhaft ausgeführten hebräischen Zahlen. Zudem darf man vor allem aus den mythologischen» auf jüdischen Amuletten unmöglichen, Abbildungen auf der Reversseite schließen, daß diese ganzen Amulette ohne jüdische Vorbilder in Kreise der Naturmagier Agrippaischer Schule, die ja alle notdürftig das hebräische Alphabeth kannten, angefertigt worden sind. Zweifellos jüdische Amulette, die den Anforderungen des Esch mezareph oder Agrippas entsprechen» sind bisher nicht nachgewiesen. Auch in den ganzen Folgen der Mitteilungen der Gesellschaft für jüdische Volkskunde findet sich m. W. kein einziges derartiges Amulett belegt. Die von E. B. Pi 1 edier in seinem (Ahrens unbekannten) Aufsatz ״Two Kabbaiistic planetary Gharras“ (Proceedings of the: Society of Biblical Archaeology, London 1906, p. HO—118) untersuchten Amulette sind ebenso wenig jüdisch. All diese Autoren unterschätzen, die judaisierenden Tendenzen der arabischen und christlichen Magie, und speziell die der abendländischen Magie im 16. Jahrhundert. Diesen Tendenzen braucht durchaus nicht immer wirklich Jüdisches zu entsprechen. Bischoffs, ohne Quellenangaben offenbar aus Knorr und Agrippa entnommene Ausführungen, über unser Problem sind wissenschaftlich wertlos (Elemente der Kabbalah II p. 145—158).