Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Alchemie und Kabbala
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2829132-2829927-2829930-2832481--46118-2832560- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
100 von ihm selbst aufgestellten klassischen Schema weicht der Autor mitunter ab> wenn er mit der Symbolik in die Enge gerät. Die völlige Fremdheit und Aufgepfropftheit des Ganzen zeigt sich dann doppelt klar. So muß er das Zinn auch der Sephira Nezach zuordnen, Gold außer allen andern Sephiroth besonders noch Tiphereth, um die Sonnensymbolik der Alchemie aufrecht erhalten und das Gold als ״vollkommensten der Steine“ unterbringen zu können. Die kabbalistische Sonnensymbolik ist ganz׳ und gar an die Sephira Tiphereth gebunden. Die Mondsymbolik des Silbers mußte er völlig aufgeben; Der Mond ist in der Kabbala stets die unterste Sephira Malkhuth, und läßt sich auf keine Weise auf Chessed beziehen, wohin die gesamte Silbersymbolik der Kabbala sich richtet. Jedenfalls nimmt in dem ganzen Schema das Gold in keiner Weise einen übermäßig bedeutenden Platz ein, da ja auch1 der Autor sich im allgemeinen der Symbolik der Kabbala beugt. So ist in seinem Schema gar kein Grund, das Gold sonderlich hervorzuheben, und man versteht es, daß er von chemischen Praktiken: nur eine genau anführt,' und die lehrt, Silber durch Transmutation zu gewinnen! Auf p. 483—85 zitiert der Autor des Esch mezareph nämlich einen Rabbi Mordechaj ״in re metallica de Argento“, der einen ca. 4 Monate dauernden rein chemischen Prozeß der Herstellung des Silbers beschreibt. Ob?ich aus der Analyse dieses längeren Zitates; das ich nicht zu identifizieren vermag, das aber auf jeden Fall der oben hervorgehobenen rein naturwissenschaftlichen Richtung angehört, etwas für die Zeitbestimmung folgern läßt, kann nur ein Historiker der Alchemie beurteilen. Das hebräische Original des Zitates müßte von Seiten der Terminologie — wenn diese nicht wie oft in solchen Schriften fremdsprachig, etwa italienisch ist — höchst interessant sein. Ich habe es mir nicht rekonstruieren können. Am Schluß des Zitates fügt der Autor des Esch mezareph hinzu; ״Vergleiche dieses mit den Schriften des arabischen Philosophen׳, da er ausführlicher über das Arsen handelt.“ Diese kürze Bezeichn nung bezieht sich zweifellos auf das berühmte dem Avicenna mit kleineren Alchemisticis zusammen untergeschobene Pseudepigraph ,De anima in arte alchymiae‘, das — nach Lippmann, p. 407 —- ausführlich über die ״vier Geister“ handelt, zu denen — cf. ibid. p. 368 — das Arsen gehört. Unser Autor hat wohldielateiüische Uebersetzung des Buches gekannt. So setzt er auch p. 185 die Kenntnis des, lateinischen Namens Jupiter voraus, dessen Erwähiiung als Name des hebräisch Zedeq genahnten Planeten verboten sei, weil es ein Name aus dem heidnischen Kult sei. Rein chemischer Natur sind vor allem noch p. 185 über das Blei1', 1 In transmutationibus particularibus natura ejus sulphurea sola non Protest, sed cum sulphuribus reliquis praesertim rubentium metallörum, aquas crassas debite terrificatas in aurum reducit, sicut et argentüm, si in;״ troducitur per argentüm vivum in aquae tenuis naturam subtil! atum, quod inter alia sat commode et per stannum fit. Natura ejus viscossa autem et aquea in aurum meliorari potest, si cum calce auri per decendium-Omnibus ignis gradibus pulverisetur et in aurum fluens sub piluiae forma sensirn immittatur. Quod et cum argento fieri edoctus sum. Nach p. 345 ist das Blei das sal primordialis. ־ r : : >