Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Alchemie und Kabbala
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 5)
- Language
- German
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99 Gründen, [so,] weil es beide übrigen Naturen unter der Metamorphose des Goldes oder Silbers, der rechten oder linken Seite, des Urteils oder des Erbarmens darstellt1. Von alledem wird woanders ausführlicher gehandelt werden. So habe ich dir den Schlüssel überliefert, um die meisten verschlossenen Pforten zu öffnen, ich habe das Tor geöffnet zu den innersten Heiligtümern der Natur. Wenn aber jemand diese [Zuordnung] anders einteilen will, so werde ich mich durchaus in keinem Widerspruch zu ihm befinden, denn alles zielt doch nur auf Eines hinaus. Es könnte nämlich gesagt werden, die drei oberen [Sephiroth] seien die Quellwasser der metallischen Dinge. Das dicke [!] Wasser sei Kether, das Salz Chokhma, der Schwefel Bina, und die 7 unteren die 7 Metalle .... Aber wisse, mein Sohn, daß hierin solche Mysterien verborgen sind, daß sie., keines Menschen Zunge aussprechen kann. Ich aber will nicht weiter ,,mit meiner Zunge sündigen, sondern will meinen Mund im Zaume halten" [Ps 392]. Ich habe den Eindruck, daß hier nicht viel von der Einleitung fehlen wird. Das Letzte ist offensichtlich der Schluß. Die mystischen Teile in den einzelnen Kapiteln sind nun auch nicht viel anders. Von einem ,,Gebrauch der Sephiroth zum Goldmachen“, wie Cluver behauptete, kann gar nicht die Rede sein. Die Ausführungen bleiben alle in rein symbolischen Zuordnungen und Betrachtungen stehen. Unter den letzteren ist, weil einen zentralen Problemkreis der Kabbala berührend, besonders die skurrile Deutung des Namens מדדטבאל בת מטרד בת מי זהב in Gen 3639 auf die Parifikation des Quecksilbers bemerkenswert. Die Deutung dieses Verses hat in der Kabbala, wie hier nicht ausgeführt werden kann, eine lange und sonderbare Geschichte. Alchemistisch wurde der Vers schon spätestens im 12. Jahrhundert gedeutet, wie aus Ibn Esras Kommentar zur Stelle zum Worte מי זהב hervorgeht, der sehr wegwerfend bemerkt: אחדים אומרים רמו לעושים זהב מנחושת, ואלה דברי רוח. Das Esch mezareph scheint hier also an ältere, nicht kabbalistische Tradition anzuknüpfen. Rein alchemistisch, ohne kabbalistische Ingredienzien ist auch p. 683 die Ausdeutung der eisernen Lanze des Pinhas Num 257 und ihrer Funktion. Von dem — in Konsequenz der Sephirasymbolik und in schiechtverhülltem Konflikt mit der überlieferten alchemistischen) — ,,Mond der Weisen“, p. 11S, während das Eisen p. 206 als ,,Sonne der Weisen“ angesprochen werden muß, der Korrelation zur Sephira Tiphereth halber. Nach p. 456 ist dieser Mond der Weisen die xnateria operis, d. h. wiederum der Stein der Weisen. Nach Gap. 6 (bei Knorr p. 346) ist Malkhuth das ,,rote Meer“, aus dem das philosophische Salz (sal sapientiae) gewonnen wird und auf dem die Schiffe Salomos das Gold herbei führen. Auch diese Symbolik ist deutlich. Der Ausdruck ״Stein der Weisen“ selbst kommt in den Exzerpten bei Knorr niemals vor. Daß die Metallmedizin, d. h. eben der Stein, die unterste Sephira, jedoch das unedelste Metall: das Blei, die nach Kether höchste Sephira Chokhma vertritt, wird p. 346 als Mysterium bezeichnet. Cf. dazu auch das im vorigen Abschnitt über das Prinzip der umgekehrten Wertfolge in unserer und der geistigen Welt Bemerkte. Im übrigen ist aber keine Rangordnung der Metalle nach der Ordnung der Sephiroth aufrechterhalten, sondern alles geht ziemlich wild durcheinander. 1 Daß der Stein der Weisen die Extreme in ihrer Verwandlung repräsentiert, heben alle Alchemisten in ganz entsprechender Weise hervor, cf. z. B. bei Silberer, p. 119. 7*