Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Alchemie und Kabbala
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 3)
- Language
- German
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97 dahin mißverstand, das Buch sei hier mit dem Sohar in Eins Verarbeitet, d. h. unkenntlich. In der Tat sind aber die 16 ausführlichen Zitate, die aus Kapitel 1—8 dieser Schrift meistens wörtlich übersetzt mitgeteilt werden, durchaus deutlich abgehoben und sichtbar gemacht, und Knorr konnte mit Recht behaupten, ein ״Compendium“ der Schrift geliefert zu haben, da offenbar fast die ganze Schrift im Wesentlichen hier ״zergliedert“ enthalten ist. Die Zitate befinden sich im ersten Band des ersten Teils pp. 116—118 (Allgemeines aus Kap. 1), 151—152 (Gold), 185 (Zinn), 206—8 (Eisen), 227 (Gold), 241 (Schwefel), 271—73 (Kupfer), 301—5 (Gold),: 345—6 (Blei), 359—60 (Silber), 441—43 (Quecksilber), 456 (Silber), 483—85 (Silber), 570 (Kupfer), 625—26 (Blei), und 683—84 (Eisen). Es bleibt die Frage nach Charakter und Authentizität dieses fragmentarischen Textes zu beantworten. :1. Daß Knorr von Rosenroth in der Tat eine hebräische Handschrift dieses Titels vorlag und nicht etwa ein lateinisches oder anderssprachiges Buch, zeigen Ausdrucksweise und Inhalt noch ganz deutlich. Bei der wörtlichen, wenn auch gewiß nicht immer richtigen Uebersetzungsweise Knorrs schimmert das Hebräische an allen nicht rein chemischen Stellen (über welch letztere ich mir kein Urteil erlauben kann) durch. So z. B. hat p. 303 deutlich die Floskel: וכיד ה, הטובה עלי מצאתי מה שאני :304 ,כתבתי זה אני הקטן 456 ,מלמדך עכשיו ist materia operis sicher aus חמר המלאכה übersetzt, wo also ein weiterer Beleg für den prägnanten Gebrauch von מלאכה vorläge. Welches Wort im Original für ars transmutatoriä gestanden haben mag, weiß ich leider nicht. Wortspiele wie p. 441: יסוד ist das Quecksilber, weil dieses das fundamentum totius artis transmutatofiae sei, setzen einen hebräischen Text voraus. Daß der auch talmudisch bewanderte Verfasser zugleich auch lateinisch verstand, folgt aus dem kuriosen Erklärungsversuch von אספירכא in b. Gittin 69b als Quecksilber (diese Bedeutung auch schon bei Raschi z. St.), denn es sei soviel wie aqua sphaerica quia e sphaera mundana profluit. Sphaerica mit Aleph prostheticum würde freilich diesem hebräischen Wortbild entsprechen, wenn man unbedenklich כ und ק durcheinanderbringt. Klarer noch spricht der Inhalt der Schrift. Deren erstes Kapitel enthielt offenbar eine Einleitung, von der wohl das Hauptstück zitiert ist, das zweite bis achte Kapitel lassen sich in klarer Disposition übersehen. Die Schrift — ob sie noch mehr Kapitel zählte, wird nicht ersichtlich — wär nach Metallen geordnet, in der Folge: Gold, Silber, Eisen (beide im Kapitel 3), Zinn, Kupfer, Blei, Quecksilber und Schwefel. Sie hatte einen dreifachen Inhalt: einen rein kabbalistischen, der die mystische Symbolik der Metalle und ihre Zuordnung zu den Sephiroth betrifft, unter ausgiebiger Verwendung des Sohar, einen rein chemischen, ,der — im Grunde ohne jede Beziehung zu den andern Teilen — einzelne Operationen und Prozesse schildert, sowie schließlich offenbar am Schluß eines jeden Kapitels einen astrologischen Teil, der die planetarischen Amulette des betreffenden Metalls beschreibt und für unsere Untersuchung des Ursprungs der Schrift das wichtigste Material liefert.;Dieser letzte Teil ist gewöhnlich auf eine mehr oder vielmehr minder glückliche Weise zu dem ersten auf dem Monatsschrift, 69. Jahrgang. 7