Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Trepha-Lehre im Lichte der medizinischen Wissenschaft
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 10)
- Language
- German
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90 Die Lunge hat zwei Häute; das Endothel der Pleura wird nämlich als besondere Haut angesehen. Wenn die Lunge abgeschält ist (,,iglid“ s. auch Epithelverlust des Ethrog, Sukkoth 36a) und nur die untere Haut verbleibt, die aussieht wie eine rote Dattel — kascher. Es handelt sich hier um Pleuritis, wo die Pleura ihren Glanz verloren, es also den Anschein hat, als fehlte die obere Decke zur Gänze. Desgleichen konnte man sich manchmal hörbares Knistern und Rasselgeräusche nicht anders erklären, als daß die Luft zwischen diese zwei vermeintlichen Häute dringe (s Chul. 46a b). Partielle Verstopfung (Atum) der Lunge (d. h. nicht blähbar und auch nach Einschneiden für die Luft völlig undurchlässig; also nicht Atelektasie!) ist, wenn nicht durch Schleim oder Eiter bedingt, trepha (Garnificatio). ,,Plätschern in der Lunge wie Wasser im Kruge“ (wo also Substanzverlust vorhanden sein muß) ist kascher, weil innerer Defekt belanglos (נשפך בנךתון s. auch bei äußerlich intaktem Ethrog 1. c.), wenn aber in dem entleerten Inhalte weiße Fäden zu finden — trepha, weil dies schon Vernichtung der ,,Röhren“ bedeutet. Hohlraum (Bronchiektasie?) bis zur Größe eines Enteneies ist kascher. Lunge, die z. T. so vertrocknet ist, daß sie (die Pleura!) mit dem Nagel ritzbar — trepha! (Alle Arten von Nekrose und Nekrobiose, also auch Tuberkulose.) Anderwärts beim lebenden Tiere, an freiliegenden Körperstellen, ist das Gewebe schon dann als endgültig abgestorben zu betrachten, wenn es auf Einstich nicht blutet; hier aber hätte es sich noch erholt (konnte also vor der Vertrocknung noch nicht trepha sein)1, weil es nicht der freien Luft ausgesetzt ist, obwohl Luft in die Lunge dringt. Diesen Ausdruck findet man noch bei dem oben angeführten Ethrog, welcher verdirbt, weil er der freien Luft ausgesetzt ist, obschon diese gar nicht eindringen kann; innerhalb des Skrotums (also aseptisch!), abgerissene Hoden werden nicht übelriechend, weil sie von der Luft abgeschlossen (Chul. 93b), eine gewisse Form von Hypospadie geht durch den schädlichen Einfluß der Luft mit Impot. gener. einher. (Jebhamoth 75b.) Es handelt sich also hier um die trocknende und kühlende Wirkung der freien Luft, die man bei Wunden für überaus schädlich hielt, ebenso wie — etwas später — Lis ter. Eine derartige Lungenpartie ist zwar nicht blähbar, fällt aber gleichwohl nicht unter ,,Atum“, da es hier auch dann trepha, wenn zentrale Erweichung (מוגלא) vorhanden (s. Chul. 46b, 47b). Gharutha: hochgradige Saftlosigkeit und dadurch bedingte Schrumpfung der Lunge (nach der Schlachtung!) bei einem halb verdursteten und halb zu Tode gehetzten Tiere, wobei Reparationsfähigkeit durch eine gewisse Wasserprobe entschieden wird. Bezeichnend ist die Ansicht, wonach weder Himmel noch Raubtier es so arg mit dem Tiere treiben können, wie der — Mensch; s. Chuiin 55b und Kommentare2. Ein Zeichen der Nekrose ist auch partielle, tiefschwarze, oder gelbe (wie Safran, Hopfen3 oder Eigelb) Verfärbung der (geblähten) Pleura (nicht 1 Der Talmud unterscheidet 4 Stadien des Gewebstodes: Aufhören der Blutzirkulation, trocken, zerreiblich, völliger Zerfall; hier ist erst das dritte trepha; s. auch Nidda 55a. 2 Der einzige berichtete Fall betrifft Tiere in der Wüste! Es ist klar, daß das Erschrecken sich nicht unmittelbar in so schwere Lungen- Veränderungen umsetzen kann; s. aber M. VIII. 91 8 Nach Imm. Löw (Aram. Pflanzennamen) Cuscuta; vgl. jedoch Erubh. 28a, b, Kethub. 77b, Abh. zara 31b und R. Kobert (Hist. Stud. Bd. V, S. 140 u. 142, wonach Hopfen antiseptisch und auch sonst gesundheitsfördernd wirkt; s. auch Gittin 70a, Lupulin als Anaphrosiacum!