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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 3 · p. Seite 79

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 3
Article
Aus der neuesten bibelwissenschaftlichen Literatur
Date
1925-01-01
Page
Seite 79 (sequence 15)
Language
German
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79 spricht der Vorliebe Gunkels für die literargeschichtliche ־and stiltheoretische Untersuchung. Die Wichtigkeit der Herausstellung des Gattungsmäßigen gerade für die antike Literatur des gebundenen Seelenlebens wird beleuchtet, dabei aber als die Eigenart Israels im Orient das frühe Erwachen individualistischen Geistes anerkannt. Die ursprüngliche ״Einheit“ des kurzen rätselhaften Wortes als die Urzelle der prophetischen Rede schwillt an oder wächst mit anderen gleichartigen Gestalten zum umfänglicheren Gottesspruch zusammen. Alle diese Erscheinungen insbesondere auch die Ent- Wickelung von der Poesie zur Prosa werden geprüft oder doch angedeutet; ferner das Problem des Stils im eigentlichen Sinn, Wortwähl, Bilder, Symbole, die aus der Ekstase nachwirkende Leidenschaft des Redens, die aus dem jeweiligen Sinn des besonderen Spruches als Droh-, Mahn-, Verheißungsrede sich ergebenden zu mehr oder weniger festgeprägten Formen gewordenen Figuren. Der Erklärer, Hans Schmidt, folgt einer u. E. zu weit getriebenen Neigung, den vorhandenen Text in die vermuteten ursprünglichen Einheiten zu zerlegen und ihn so in der Tat zu atomisieren: z. B. bei Jesaia 1 und 6. Was . die reißende Knappheit eines Redeelementes erklärt, kann wohl im allgemeinen die Ekstase sein. Ob deren unmittelbare Nachwirkung aber für einen großen Teil der prophetischen Reden, die in dem uns gegebenen Guß doch auch schon oft Abgeklärtheit und Reflexion zeigen, tatsächlich angenommen werden darf, ist weder bewiesen noch wahrscheinlich. Ein —־ vielleicht das wichtigste — Problem der Prophetenerfassung wartet noch immer auf die Lösung: je mehr Nachdruck auf das Geheimnisvolle des Offenbarungsempfanges, auf die ,,Sonderbarkeit“ des göttlichen Wirkens im Menschen fällt, je mehr auf der andern Seite das Bedingtsein der Prophetenrede durch die literarische Gattung anerkannt wird, um so dringender scheint die Forderung zu sein, die schon oben bei der Ankündigung des Buches von Hänel erhoben wurde: es ist das Erwachen aus der Ekstase, der Uebergang vom visionären zum normalen Zustand zu beachten, in welch' letzterem doch bei den meisten Fällen die Kristallisierung zur uns verstündlichen Sprache sich erst vollzieht. Es wird beim Guß in die Form der prophetischen Rede, die so ersichtlich ihrem ganzen Wesen nach gebunden ist, etwas Analoges sich abspielen, wie in dem poetischen Niederschlag der Inspiration des Genius. Man kann sich nur schwer denken, daß ein Prophet, dessen Gesandtenbewußtsein ja nicht isoliert in den einzelnen ekstatischen Erlebnissen beruht, sondern der sein ganzes Leben Gott geweiht und von Gott erfüllt weiß, durch dieses Bewußtsein seinen besonderen aktuellen Erleuchtungen nicht eine bestimmte zusammenhängende Interpretation gegeben haben sollte. Schließlich zeugt jede Offenbarung nicht bloß von der sich manifestierenden Gottheit, sondern doch auch von der seelischen und geistigen Art des Gottesboten. — Wenn wir von diesem und manch anderem Grundsätzlichen absehen und Schmidts• Werk unter dem Gesichtspunkt betrachten, ob es geeignetest, ein größeres Publikum in das geistige Leben der Propheten und die Kultur ihrer Zeit einzuführen, so werden wir ihm Anerkennung bezeugen. Die Sprache der Uebersetzung, die auf jedes

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