Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus der neuesten bibelwissenschaftlichen Literatur
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 14)
- Language
- German
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78 Regierungsbeginn des babylonischen Königs Evilmerodach, ihre vorliegende Gestalt einer nachexilischen Redaktion verdankt, daß sie aber ein älteres Werk über den gleichen Zeitraum, das deuteronomische Geschichtsbuch des Rd, voraussetzt, will H. dieses hypothetische deuteronomische Geschichtswerk in möglicher Reinheit rekonstruieren. — Max Hallers Arbeit, ,,die Kyroslieder Deutorojesajas“, baut auf Greßmanns ״Komposition des D eute roj es ajas“ auf, will diejenigen Stücke herauslösen, die den Perserkönig Kyros zum Mittelpunkte haben, und sucht den Charakter der in ihnen sich ausprägenden literarischen Gattung und ihrem Stil zu bestimmen. — Einen sachlichen Gegenstand des biblischen Geistes behandelt E. B all a : ,,Das־ Problem des Leides in der israelitisch-jüdischen Religion“. Die Frage wird bei aller Konzentration auf den Kern im Zusammenhang mit den andern Hauptproblemen der a. t.-liehen Religion gestellt. Daß der strenge Vergeltungsglaube des Spätjudentums das Problem des Leides aufgelöst habe, weil der Ausgleich unfehlbar eintreten soll, kann ich nicht einsehen. Der Verfasser beachtet nicht genügend, daß gerade das Spätjudentum den Gedanken der nationalen und universalen גאלה noch überden der individuellen Vergeltung und Auferstehung stellt, was praktisch eine Ablenkung von der Vorstellung der sich genau im individuellen Schicksal auswirkenden Lohnausteilung bedeutet und voraussetzt, daß das religiöse Gemüt noch ein anderes Sehnen kannte, also mit jener allein sich nicht abfand. Die drei Aufsätze zum Schluß von Mowin ekel über die vorderasiatischen Fürsten- und Königsinschriften, von V o 11 z über den heiligen Geist in den Gathas und von Paul Kahle über die Totenklage im heutigen Aegypten stehen nur in losem Zusammenhänge mit den spezifisch a. t.-liehen Fragen. Aus der Lektüre des ersten wird man einen starken Eindruck von dem grundverschiedenen Pathos der biblischen Geschichtsauffassung im Vergleich zu dem in der Weltanschauung Assur-Babylons wehenden erfahren. Aus dem zweiten — neutestamentlichen — Bande sei besonders Bultm a n n s Studie über den religionsgeschichtlichen Hintergrund des Prologs zum Johannesevangelium erwähnt, welcher auch die Zusammenhänge mit der alttestarnentlichen Weisheitsspekulation bespricht. Arbeiten von Dibelius und Windisch sind Untersuchungen über den Stil in der Apostelgeschichte und des Johannes gewidmet. K. L. Schmidt betrachtet die Stellung der Evangelien in der allgemeinen Literaturgeschichte und H. W e i n e 1 die spätere christliche Apokalyptik. Schließlich haben wir noch einige Schriften anzukündigen, die sich an einen weiteren Leserkreis wenden; unter ihnen als bedeutsamste, das Werk von Hans Schmidt, die großen Pr opheten2 (aus der Sammlung ,,die Schriften des Alten Testaments in Auswahl neu übersetzt und für die Gegenwart erklärt“; Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht 1923). Die grundsätzliche Einstellung dieses Bibelwerkes, seine allgemeine, kritische Richtung -— Schmidt ist Schüler von Gunkel — und die Anlage, welche die Bücher des A. T. nur in einer Auswahl dem Publikum bietet, sind bekannt und brauchen nicht einer neuen prinzipiellen Beurteilung unterzogen zu werden. Der vorliegende Band umfaßt von den Prophetenschriften den größten Teil von Jesaia 1—39, Jeremia, Ezechiel; Jona, Micha, Nahum, Zephanja; das erheblichste Stück des dt. Gesetzes, die für die politische Geschichte des prophetischen Zeitalters bedeutsamsten Kapitel des II. Königsbuches, endlich die Klagelieder Jeremias. In beträchtlichem Umfange erfahren sie allerdings nur eine kursorische Behandlung. Zur Einleitung hat H. Gunkel drei Aufsätze geschrieben: 1. Die Geschichte Vorderasiens zur Zeit der großen Propheten, 2. die geheimen Erfahrungen der Propheten, 3. die Propheten als Dichter und Schriftsteller, die größtenteils Ueberarbeitungen früherer Publikationen dieses Autors sind. Der breite Raum, der dem dritten Thema gewidmet ist, ent-