Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus der neuesten bibelwissenschaftlichen Literatur
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 13)
- Language
- German
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77 ל!:ums (kath. Vereinsbuchhandlung, Salzburg 1924). Der Verfasser geht von katholisch traditioneller Auffassung her an die Dinge heran. Ihn leitet das besondere Interesse, die Gedanken und Forderungen der Propheten für unsere Zeit nutzbar zu machen. Der Hinblick auf die sozialgeschichtliche und -theoretische Literatur der Gegenwart gibt dem Buche darum sein eigenes Gepräge. Die Förderung der bibelwissenschaftlichen Forschung tritt diesen aktuellen Bestrebungen gegenüber in den Hintergrund. Eine inhaltreiche Festgabe haben Hermann Gunkel zum 60. Gehurtstage seine Schüler und Freunde dargebracht: EYXAPIi’THPION, Studien zur Religion und Literatur des Alten und Neuen Testaments (Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht 1923). Der erste uns hier besonders interessierende Band enthält 17 Abhand־ hingen, von denen wir unsern Lesern wenigstens einen Begriff geben wollen. Der Genesis, dem bevorzugten Forschungsgebiet des Gefeierten, sind zwei Darstellungen gewidmet: Hugo Greßmann schreibt über ,,Ursprung und Entwickelung der Josephsage‘4 und Otto Eißfeldt über ,,Stammessage und Novelle in den Geschichten von Jakob und seinen Söhnen“. G. ,will über die Quellenkritik zur Stoffanalyse Vordringen, erklärt jedoch selbst dieses Unternehmen als ein Wagnis, da die uns überlieferte Erzählung von Joseph fast ihrem ganzen Umfange nach eine geschlossene literarische Einheit bildet. Der Kern der Josephsage ist für G. Joseph als historische Einzel- Persönlichkeit der Führer, der verschiedene hebräische Sippen zum ,,Hause Josephs“ zusammenschweißte, zwar nicht der Ahnherr, aber der politische Schöpfer des nach ihm genannten Stammes. Auf diese Stammessage werden die Geschichten vom. verstoßenen Bruder und vom ägyptischen Großwesir aufgetragen. Den Auftakt zu jener bilden die Träume, von denen der Sternenträum, der von den Anschauungen einer Astralreligion zeugt, ein fremdländisches Königsmärchen voraussetzt. Joseph sollte also König, nicht bloß Großwesir werden. G. sucht nun das Älter der einzelnen Schichten bezw. die Zeit ihres Eindringens in Israel festzustellen. Einen Zwang zu diesen Konstruktionen wird man nicht leicht verspüren. — Eißfeldts Aufsatz soll eine Ergänzung seiner ,,Hexateuch-Synopse“ geben. In dieser hat er den Stoff auf 4 Quellen aufgeteilt, von denen die älteste L. wohl mit der von Budde J1 genannten wesentlich identisch, keineswegs aber eine durch J2 zu ergänzende Grundschrift, sondern eine diesem J2 gegenüber selbständige Quelle sei. — Hans Schmidt ist mit zwei Arbeiten vertreten: ״Mose und der Dekalog“ sowie ״Kerubenthron und Lade“. Jene will den ״Urdekalog“ des Mose hersteilen, aus dem u. a. das Sabbathgebot ausgemerzt ist, weil der Sabbath zwar alt, aber gewiß nie der einzige Feiertag gewesen, das בית des 10. Gebotes, weil dieses Wort in der Bedeutung ״Hauswesen, :Hausstand und Besitz“ im A. T. nicht nachzuweisen, zumindest sehr ver- ׳einzelt vorkomme; כל אשד לרעך soll einen Glossator dazu verlockt haben, *אשת׳", einen anderen שורו וחברו hinzuzufügen, die also auch nicht ursprünglieh seien. Durch diese und viele andere Streichungen kommt das ״überraschende Ergebnis“ eines aus 10 ganz kurzen Sätzen bestehenden Dekalogs zustande, der gegenüber dem uns überlieferten den Vorzug hat, auf beiden Tafeln in je ziemlich gleicher Wortmenge verteilt werden zu können. Mancher Leser wird andern Kombinationen eine ähnlich hohe Wahrscheinlichkeit beimessen. — Ein sehr lesenswertes kleines ״Kapitel vom hebräischen Erzählungsstil“ hat W. Baumgartner beigesteuert. Die Probleme der sprachlichen und literarischen Form von Auftrag und Ausführung, der Wiederholungen und der Botenrede werden erörtert. Der Hinweis auf die Bedeutung, welche die Erkenntnis der Stilgese.tze für die textliche und literarische Kritik hat, ist sehr einleuchtend. — Gustav Hölscher erscheint mit einer Abhandlung ״das Buch der Könige, seine Quellen und seine Redaktion“. Auf der kritischen These fußend, daß die biblische Ge- ,schichtserzählung von der Erschaffung der Welt bis zum Jahre 561, den