Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus der neuesten bibelwissenschaftlichen Literatur
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 9)
- Language
- German
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73 den Kampf gegen Totenkult, Geister- und Zauberwesen mit aller Kraft aufnimmt, sollte man nicht glauben, daß zumindest die von dieser Höhenlage der Religion erreichten Kreise dem. alten Brauchtum, soweit es von ihnen überhaupt geübt, innerlich anders gegenüber gestanden? Diese allmähliche innerliche Zersetzung der ganzen Anschauungs- und Gefühlswelt mag der Grund dafür sein, daß von eigentlicher Leichenpoesie, die noch den Erdgeruch ursprünglichen Animismus■ an sich trägt, so gut wie gar nichts im Alten Testament erhalten ist, dagegen die Gattung vor allem in ihren Uebertragungen auf daspolitische Schicksal des ganzen Volkes oder der Dynastie sich findet. Diese übertragene Verwertung der Stil- und Gattungsform auf andere Gebiete wird von Hedwig Jahnow mit Gründlichkeit geprüft; ob sie sich auch in den Ebed-Jhv-Stücken findet, könnte fraglich erscheinen. Den Namen Israel in geographisch geschichtlicher Beziehung untersucht־ die Schrift von Eduard Sachsse, die Bedeutung des Namens Israel (Gütersloh, Bertelsmann 1922). Was versteht man unter dem Lande ,,Israel“, wie die Schriften des A. T. es heißen? Voraus gingen zwei Abhandlungen, welche die Beziehung des Volkszu den Patriärchennamen und die Etymologie des Wortes ,,Israel“ zum Gegenstände hatten. Die vorliegende Skizze beschreibt zunächst die Grenzen Israels im besonderen nach den Angaben des Buches Josua. Wir finden in der Bibel die gleichsam ideale Linienführung in den Worten der Verheißung Ex 23a1, Dt 1124 oder Ezechiels Beschreibung 4719 ff. und die Notizen, welche den tatsächlich erreichten Umfang des heiligen Landes beschreiben. Für die gegenwärtige Schrift kommen nur topographisch-historische Erwägungen hinsichtlich des tatsächlichen Umfangs in Frage. Hierfür ist die Hauptsache, wieweit die Identifizierung der im biblischen Schrifttum genannten Ortsnamen mit modernen gelingt. Sachsses sehr vorsichtige Untersuchung erscheint im hohen Maße geglückt. Der zweite Teil der Arbeit hat rein historischen Charakter. Sein Problem ist, ob das davidische Reich im wesentlichen mit dem Umfang des älteren Staats- und Volksgebietes zusammenfällt, wobei natürlich die weiten Eroberungen des Königs in Syrien unberücksichtigt bleiben. Die Frage geht vielmehr auf das Ostjordanland und vor allem auf Juda. Hinsichtlich des ersteren, das nach dem pentateuchischen Bericht sozusagen nebenbei und ohne Absicht von Mose eingenommen und den Stämmen Rüben, Gad und Halb- Manasse zugeteilt wird, glaubt der Verfasser der pentateuchischen Tradition Spuren von Ueberlieferungen entgegenhalten zu sollen, die auf eine' spätere Besiedelung von Westen her hindeuten, zumal die ideale Grenze des Landes Israel im Westen bei Mose wie bei der Konstruktion Ezechiels der Jordan bildet. Indessen nimmt er selbst an, daß solcher Spuren es mit Sicherheit nur für Manasse welche gibt, während die für Gad und Rüben versuchte Ausdeutung der Patriarchengeschichte, die diese Söhne Jakobs im Westlande zelten laßt, nicht eben überzeugend wirken. Interessanter‘ ist die Juda- Frage: Seit wann gehört dieser Stamm zu Israel, erst seit David