Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus der neuesten bibelwissenschaftlichen Literatur
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 8)
- Language
- German
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72 Aus der neuesten bibelwissenschaftlichen Literatur. VonjM. Wi e n e r in^Stettin (Schluß). , . Einen Beitrag zur israelitischen ,Volkskunde leistet die Unter־־ suchung von Hedwig.. Jahno.w, das hebräische Leichen lied im Rahmen der Völkerdicht,urig, (Gießen, Töpelmann 1923). Die Verfasserin will einer Forderung Gunkels genügen, welche auf die klare Herausstellung und Erkenntnis der ,,literarischen Gattung'f aus dem Gesamtkomplex des Schrifttums, dem sie eingeschmolzen, abzielt. Die schriftstellerische Gattung als die überpersönlicheJ Gestalt, die der besondere Autor bereits vorfindet, um in sie diesen oder jenen individuellen Zug einzutragen, ist in gewisser Weise der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht,; die gleichsam festgeprägte, nur. sehr allmählich und unmerklich sich wandelnde Form des Ausdrucks nationalen Geistes. Und der konservative Charakter gerade der Handlungen, Riten und Symbole, die sich um das Ereignis des Todes ranken, bringt es mit sich, daß: dieses Empfindungsgebiet ־ oder vielmehr seine Entladung m Wort,' Gebärde und Brauch uns gewiß tiefer in die Urzeit des Gefühlslebens eines Stammes hinaufführt, als irgendein anderes. Die Verfasserin beschränkt sich nicht auf das Leichen 1 i e d ,; sondern im Zusammenhang mit der Totenklage erfahren die Trauerr i ten überhaupt, die mit ihrer Handhabung* betrauten P er - s o n e n , die animistis.chen Mo t i v e des Verhaltens der Menschen zu Tod und Toten eine: eingehende Darstellung. Das alles in stetem Bezug auf Analogien,, welche die alttestamentlichen Beispiele im ,Brauchtum aller Zeiten und Zonen finden. Es mag im Zuge der Kulturbeschreibung;: welche den Blick vor allemauf Gleichförmigkeiten bannt, begründet liegen, daß in den hinter den Bräuchen sich bergenden Beweggründen ebenfalls nur eine ein heitliehe Wurzel als die Möglichkeit verschiedenartiger Ursprünge ins Auge gefaßt wird. Ebenso müßte dem Bedeutungswandel der Riten nachgegangen werden. An diesem Punkte erscheint uns die Dar- Stellung ergänzungsbedürftig. Mit Recht wird auf die ja zu Tage liegenden Entsprechungen zwischen biblisch israelitischen Riten, und Institutionen von Maßeben, Malsteinen, Salbungen, Blutsprengungen, Speise- und Enthaltsamkeitsbräuchen usw. und solchen verwandter und fernstehender. Kulturkreise aufmerksam gemacht. Daß in dem einen wie in dem anderen Falle der Seelenglaube primitiver Menschheit für die Ausbildung dieser Geisteshaltung maßgeblich gewesen, ist gewiß; aber gerade bei der über das unmittelbar literarische Thema hinausgreifenden Absicht der Verfasserin hätten wir doch gewünscht, wenn gründlich auf die unleugbare Eigenart der israelitischen Religion gerade in der Beurteilung^ dieser :Dinge eingegangen wäre. Die Sachlage ist doch die, — und' das wird gerade, durch die höchst umfangreiche und dankenswerte Heranziehung von Parallelen aus allen Kulturgebieten bis auf den heutigen Tag gezeigt — daß in diesem Daseinsbereich der starrste Konservatismus den Riten und Symbolen eine Lebensdauer gesichert hat, die weit über die der. zugrundeliegenden Vorstellungen hinausreicht. Wenn das Gesetz der Thora, insbesondere das Dt״