Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus der neuesten bibelwissenschaftlichen Literatur
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829927-2829930-2832479--46083-2832528- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
68 da will ich mich doch nicht überraschen lassen יהב דצתיה וגרסה, und er bereitete sich gewissenhaft vor. Er nahm also gleich dem Tanna seines Lehrhauses eine מגילת סתרים zur Hand, um aus ihr die in Betracht kommenden Halachoth seinem Gedächtnis einzuprägen. Nun ist Ukazin der letzte unter den .63 Mischnah-Traktaten; darum glaube ich kühn behaupten zu dürfen, daß der Vater R. Jehuda ha-Nassis im Besitz eines alle Traktate umfassenden Manuskriptes der Mischnah entweder R. Akibas oder schon der R. Meirs war. Ja, so wendet man mir aber ein, die ganze Erzählung hat doch einen agadischen Charakter, und bekanntlich kann man aus der Agadah keine Halachah ableiten, und noch viel weniger darf man aus einer agadischen Erzählung auf das Vorhandensein eines vollständigen Mischnah-Manuskriptes schließen. Gegen solche Einwände ist nicht aufzukommen; so. hat sich mir schon längst die Ueberzeugung aufgedrängt, daß es nur ein einziges wirksames Mittel gibt, das Vorhandensein schriftlich fixierter Halachoth wenigstens in der Amoräer- Epoche zu beweisen: die Aufdeckung von Kopisten-Fehlern. Selbst Talmudkundige, die der wissenschaftlichen Forschung keineswegs feindlich gegenüberstehen, sind vom Standpunkte Raschis nicht abzubringen. Raschi, so sagen sie, hat doch den ganzen Talmud, also auch alle einschlägigen Quellen gekannt, und doch behauptet er, die Mischnah durfte nicht niedergeschrieben werden. Und wann wurde sie doch zu Papier gebracht? Zu einer Zeit, da wir infolge der harten Bedrückung an Gedächtnisschwäche zu leiden anfingen, lautet die stereotype Antwort. Kann man da mit psychologischen oder literargeschichtlichen Gründen mehr zu erzielen hoffen? Es ist vergebliche Mühe, auf die äußerst seltene Verbindung scharfen logischen Denkens mit phänomenaler Gedächtniskraft hinzuweisen. Man sagt den Voreingenommenen umsonst, daß die Tannaiten unmöglich eminente Logiker und hervorragende Gedächtniskünstler zugleich sein konnten, daß die Mischnah organisch gegliedert sei, daß in ihr die Halachah von innen nach außen sich entwickelt, während das Wissen des Gedächtniskünstlers wie der Stein von außen nach innen wächst; die Gegner sind und bleiben hart wie der Stein und verharren dabei: die Mischnah durfte nicht auf geschrieben werden. Noch viel weniger erzielt man, wenn ihnen das literargeschichtliche Moment zu Gemüte geführt wird. Wie kann man, frage ich einen mir befreundeten alten BenThorah, die in der Mischnah verbleibenden und die aus ihr als Baraithoth ausgeschiedenen Halachoth im Kopfe auseinanderhalten? Wir mit unserem Kopfe, lautet die Antwort, können das allerdings nicht, aber unsere Ahnen hatten eben einen anderen Kopf als wir. Erst wenn ich ihm die Ueberzeugung beigebracht habe, daß in einer Mischnah oder Baraitha ein Schreibfehler vorliegt, wird er stutzig, denkt nach und bleibt still. Ich habe es mir darum seit meinen ersten Tosifta-Studien in der Monatsschrift zur besonderen Aufgabe gemacht, Kopisten-Fehler aufzudecken. Eben deshalb will ich heute in der oben angeführten Mischnah einen solchen nachweisen. ׳ ' Im Babli ist es Raba, der Sabb. 8a/b aus dem als überschüssig bezeichneten Satz der Mis'chnah die These herausliest: הילוך צ״י הדחק שמיה הילוך׳ תשמיש ני״י הדחק לא שמיה תשמיש. im jeru-