Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Schuldenregulierung der jüdischen Korporationen in der Provinz Posen
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 328 (sequence 8)
- Language
- German
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328 ז Tilgung war bei der Saumseligkeit einzelner Gemeinden zunächst nicht zu erlangen (Abteilung des Inneren an Flottwell, 10. Juli 1838). Seit 1837 waren allerdings fast überall Abzahlungen geleistet, konnten aber meistens nur auf rückständige Zinsen verrechnet werden. Dann war die frühere Behauptung der Behörde, daß unter der ehemaligen Korporationsverwaltung nicht einmal bestimmte. Kenntnis vom Schuldenzustand vorhanden gewesen war, in unangenehmer Weise durch das Auftauchen verborgener Posten erhärtet worden, wodurch sich obige Gesamtsumme auf 40 154 Rtr. erhöht hatte (Bericht v. 20. Mai 1839). ' 1839 wurden 764 Rtr. gezahlt und die Regierung hoffte, in gleichem Tempo einen regelmäßigen, wenn auch lang- Samen Fortschritt erzielen zu können, wenngleich ein Abweichen von dem Tilgungsplan bei unzweifelhafter Ueberzeugung der Kreisbehörden von der Armut der Debenten nicht immer zu umgehen war (Bericht v. 3. Juli 1840). Flottwell war durch das geringe Ergebnis in' der Tat stärk befremdet und empfahl nochmals besondere Sorgfalt für den Gegenstand. Die Regierung seufzte, daß sie unermüdlieh versucht habe, belehrend auf die. Gemeinden einzuwirken, die keine Ahnung von der Wohltätigkeit der behördlichen Fürsorge hatten, und verteidigte ihre Erfolge mit dem Hinweis auf die erlieblichen Zahlungen, die nur meistens durch die Zinsen verschlungen wurden. Jedenfalls zeitigte das Drängen des Oberpräsidenten aber gute Früchte, denn nach der Uebersicht für 1840 hatten sich Wissek, Gzerniejewo und Schubin aller Verbindlichkeiten entledigt und die anderen 15 Gemeinden 2 334 Rtr. abgebürdet. Außerdem waren überall die Amortisationspläne bestätigt. Bei 2 290 Rtr. Tilgung für 1841 war Anfang 1842 der Gesamtbetrag schon auf 34 765 Rtr. zusammengeschmolzen. Doch schon 1842 erfolgte eine abermalige Stockung, denn es konnten nur 1 907 Rtr. abgeführt werden, allerdings erhebliche Beträge an einzelnen Orten wie Kalmar (500), Inowrazlaw (400) und Bromberg (200). 1843 fielen bei 2 182 Rtr. Gesamtleistung Schokken und Bromberg ganz aus, wogegen Kolmar dauernd an der Spitze stand. Dafür tilgte aber die Hauptstadt 1845 gleich Filehne den Rest1, so daß nur 13 Gemeinden mit 26 466 Rtr. verblieben. 1846-47 erforderte indessen die allgemeine Wirtschaftskrisis starke Nachlässe (1 023, bezw. 928 Rtr. Gesamtzahlung), aber Anfang 1848 schieden Polnisch-Krone und Wongrowitz aus. Der Schuldenrest von 24 515 Rtr. entfiel unter den 11 noch in ׳Mitleidenschaft gezogenen Korporationen fast ausschließlich auf Inowrazlaw (10 240), Exin (5 854) und Gnesen (2 076). Wie harte Arbeit hierfür geleistet war, deuten die Verwaltungsberichte der Regierung für 1842 und 1843 an. In ersterem heißt es: ״Bei der Verwaltung der Judensachen nimmt das Rechnungs- und Kassen wesen der Korporationen hauptsächlich die Aufmerksamkeit der Regierung in Anspruch; nur mit Mühe gelingt es, hier eine feste Ordnung einzuführen und die alten Uebelstände zu be- 1 Vgl. Herzberg: Gesell, d. Juden in Bromberg, Frankfurt a. M. 1903׳ "38. Ursprünglich waren nach dem unter wiederholter Strafandrohung־ endlich 1839 emgereichten Verzeichnis 1710 Rtr. vorhanden gewesen, die die Gemeinde bis 1846 tilgen wollte und tilgte, da der Oberpräsiderit ein späteres Nachlaßgesuch verwarf.