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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · Heft 4 · p. Seite 319

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
68 (1924)
Issue
Heft 4
Article
Der Perwer von Salzwedel
Date
1924-01-01
Page
Seite 319 (sequence 3)
Language
German
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319 et futuros in. tuitionem et defen^ionem nostram recepimus singularem, volentes ipsos tanquarri’ ceteros ciuitatum nostrarum fideliter Judaeos gubernare per officiatos nostros etiam et tueri. Das heißt: ״Man soll wissen, daß wir die hochachtbaren Juden unserer Städte* 1 Salzwedel, unsere Kammerknechte, für Gegenwart und Zukunft in unseren besonderen Schutz zu ihrer Verteidigung aufgenommen haben, da wir sie wie die übrigen Juden unserer Städte durch unsere Beamten ebenso treu zu regieren und zu schützen wünschen/‘ In derselben Urkunde wird auch bestimmt, die Juden hätten zu Martini und zu Walpurgis je 3 Mark, Schutzgeld an den Landesherrn zu entrichten. Der Rat der . Stadt Salzwedel verhielt sich ähnlich wie der Landesherr. In einer Urkunde des Jahres 1349 nimmt der Rat der Altstadt die Juden in aller Form unter seinen Schutz und verpflichtet sie dabei, ihm je zu Weihnachten und zu Johannis 6 Mark brandenburgisches Silber zu entrichten. Darnach heißt es: ,,Wenn ein Jude unserer Stadt außerhalb des Judendorfs (genau: ,,buten dem Joden dorpe“, d. i. dem Perwer) zu wohnen beabsichtigen sollte, dann wollen wir mit den übrigen Juden darauf sehen, daß dies nicht geschehe“. Endlich wird festgesetzt, daß das Judenhaus (die Judensiedlung) im Perwer von Lasten und Pflichten frei sein solle. Weiter wird aus dem Jahre 1357 berichtet, daß damals ,,der Judenhof“ (curia Judaeorum) an den Salzwedeler Bürger Henneke Moiiz verkauft worden sei, doch mit Ausnahme der ,,Judenschule“ (Synagoge) und ihres Zubehörs. Nach einer Reihe von Jahren, 1401 hat dann der Markgraf Jobst das Georg-Hospital mit einem Platz in der Altstadt Salzwedel beschenkt, einem Platz, ״wo vormals der Juden Schule gestanden hat“. Hier ist selbstredend die gleiche Synagoge gemeint, und die Benennung ,,Altstadt Salzwedel“ im weiteren Sinn als Gerichtsbezirk genommen, zu dem eben auch der Perwer gehörte. Es ergibt sich, daß aus irgendeinem Grunde vor dem Jahre 1400 die Synagoge in Salzwedels Perwer zu bestehen auf gehört hat, auch niemals wieder aufgebaut worden ist. Zu vermuten steht, daß die Juden dank,ihrer Ausbreitung und der Erlangung von allerlei Gerechtsamen den Neid ihrer Mitbürger erweckt hatten. Als nun um die Mitte des 14. Jahrhunderts die Pest ausbrach, und nach grauenvoller mittelalterlicher Unart die Juden, die die Brunnen vergiftet haben sollten, zu den Verursachern der Krankheit gestempelt wurden, brach eine Verfolgung über sie — gerade die Deutschen betrieben sie, den Weisungen des Papstes Clemens des Sechsten zuwider, am gräßlichsten — herein, in der auch im 13. Jalirliundert gewisse Juden als ,,Hofjuden“ bezeichnet, solche die von weltlichen und kirchlichen Fürsten zur Regelung ihrer Finanzen herangezogen wurden. Die Fürsten wandten sich an, die Juden, um finanziellen Nöten zu entgehen. Vgl. Spanier a. a. O., S. 9. Daß ,,Kammerknechte“und ,,Hofjuden“ in einem inneren Zusammenhang standen oder vielmehr häufig dieselben Personen waren, leuchtet ein. 1 Altstadt Salzwedel und Neustadt Salzwedel.

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