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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · Heft 4 · p. Seite 320

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
68 (1924)
Issue
Heft 4
Article
Der Perwer von Salzwedel
Date
1924-01-01
Page
Seite 320 (sequence 4)
Language
German
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320 die Synagoge zu Grunde ging. Die Juden wurden ausgeplündert oder erschlagen, die Leichen unbeerdigt liegen gelassen; ihrer viele verjagt. Noch unter Ludwig dem Römer, ihrem Schutzherrn, der sich übrigens um die Angelegenheit wenig kümmerte, hörte die Verfolgung auf. Darnach hatten die Juden fast 150 Jahre lang im ganzen Ruhe und breiteten sich aufs neue aus. Von Markgraf Hans (־= Kurfürst Johann Cicero) wird berichtet, daß er 1488 nach einem ,,Aufruhr wegen cler Bierzinse von allen seinen Juden zwei Pfund Stendalsche Mark genommen habe“, und 1497 ,,setzte er die Juden hier in die Stadt“ Salzwedel. Und ,,hierzu haben geholfen“ sieben namentlich angeführte Bürger der Stadt. So nach einer schriftlichen Einlage des Turmknopfs der Salzwedeler Marienkirche vom Jahr 1496, die 1803 heruntergeholt wurde. Vom Beginn des 16. bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Juden öfter vertrieben und wiederzugelassen. Erst ums Jahr 1800 wies man ihnen auch einen Begräbnisplatz im Westen der Stadt zu, nachdem sie bis dahin ihre Toten in dem 31-/2 Meilen südlich von Salzwedel gelegenen Ort Klötze hatten beerdigen müssen. Endlich wurden ihnen 1808 durch die Verfassung des Königreichs Westfalen, zu dem auch die Altmark gehörte, alle staatsbürgerlichen Rechte zugesichert. ־ Die ,,Judengasse“, die damals und noch einige Jahrzehnte hernach im Mittelpunkt der Stadt (als Ersatz des ursprünglichen Perwers), wohl seit Ende des Mittelalters bestand, ist inzwischen auch längst verschwunden. J$C ז,ע * Auf den Namen ,,Perwer“ näher einzugehen, dürfte sich erübrigen. Daß es sich um das neuhebräische פרוד handelt, und dies mit den II Kön 23n, I Chr 26I8 vorkommenden Wörtern zusammenhängt, liegt auf der Hand. Anerkannt ist auch, daß פרור die Wiedergäbe des althebräischen (ursprünglich: Weideplatz1, dann: freier Platz, Gelände vor einer Stadt, z. B. Ez 452, 481ד) ist und aus dem Persischen stammt (נ(^1ע vgl. Gesenius, Thesaurus 1123 und ds. Handwörterbuch 15. Aufl. 651a. Jetzt heißt es längst ,,Vorstadt“ und kommt auch sonst im Mittelalter von deutschen Vorstädten ״vor. Auffällig und m. W. beispiellos ist, daß in Salzwedel das appellative Parwar zum Eigennamen Perwer wurde und sich als solcher bis auf den heutigen Tag erhalten hat; unerklärt und rätselhaft aber, wie schon um 1200 der Perwername in allgemeinen, auch .christlichen Gebrauch, ja in öffentliche Urkunden aufgenommen werden konnte2. 1 Ob־ nicht diese Bedeutung auch II Kön 23n, wo es sich um Pferde handelt, ursprünglich oder auch jetzt noch gemeint ist? . 2 Wir bitten unsere Leser, sich über das Vorkommen des W ortes פרור in der mittelalterlichen jüdischen Literatur zu äußern. Die Schriftleitung.

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