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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · Heft 4 · p. Seite 302

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
68 (1924)
Issue
Heft 4
Article
Der Talmid Chacham
Date
1924-01-01
Page
Seite 302 (sequence 12)
Language
German
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302 Als Tabi, der Sklave Rabat! Gamliels starb, war sein Herr so betrübt in.seiner Trauer, daß es seine Umgebung für nötig hielt, ihn wie beim Tode eines nahen Verwandten zu trösten; dies in einer Zeit, in der ein Sklave bei . einem andern Volk, bezw. Religion, überhaupt nicht als Mensch angesehen wurde1 (Berachot II7). Ein T. Gh. vermied immer schlechte Gesellschaften; es galt als nicht geziemend, wenn er sich unter Unwissenden aufhielt, oder wenn er als der letzte in das Lehrhaus eintrat, oder hochmütig war2 (Berachot 43b). Man erwartete, daß er einem jeden, auch einem Heiden gegenüber, .freundlich sei (Sifre Deuteronomium 1). Daher wurde er auch geschätzt, und auch wegen seiner Bescheidenheit3 (Derech Erez Suta VI). Der Charakter eines T. Ch. mußte stark sein wie Eisen (Taanit 4a)4, er mußte sich selbst beherrschen können (Berachot 22a), im Beobachten der Ritualien gegen sich strenger sein als gegen andere5 (Pesachim IV5). Seine Achtung vor Gott mußte selbstlos sein; manche tadelten Hiob, weil sie annahmen/daß er nur aus Furcht Vor Gott gebetet hätte6 (Sota V5). Für seine Menschenliebe 7 Ist der Satz charakteristisch: wer etwas für seinen Nächsten tun kann und es dennoch unterläßt, kommt einem Sünder gleich. Ein T. Ch. müßte selbst auf Kosten seiner Gesundheit seinen Kollegen helfen8 (Berachot• 12b). Da nun.einem jeden Manne seine Familie am nächsten steht, wurde der Satz: ,,Er übt Wohltätigkeit (Gerechtigkeit) zu jeder Zeit“ (Psalm VI3) im Talmud (Ketubot 50a) auf einen Mann bezogen, der seine Söhne und Töchter in ihrer Kindheit verpflegt9. Ein Junggeselle galt nicht als vollwertiger Mensch10 (Jebamot 63a). Was die sittliche Reinheit der T, Ch. betrifft, so bezog der Talmud die Psalmworte (2910) ,,Reine Gottesfurcht besteht ewig“ auf einen, der in sittlicher Reinheit Thora lernt11 (Joma 72b). Von einem T. Ch. verlangte man, daß er sich immer geziemend ausdrücken soll. Einst fragte ein Schüler: ,,Warum hält man die, Weinlese in (ritueller) Reinheit, nicht aber auch die Olivenlese in (ritueller) Reinheit? Ein anderer Schüler stellte die Frage so auf: ,,Warum hält man die Weinlese in (ritueller) Reinheit und die Olivenlese in (ritueller) Unreinheit12? Nach der Aufstellung der Frage hatte Hillel bezw. R. Jehuda ha-Nasi die Vermutung ausgesprochen, daß ersterer, der bedacht war, geziemende Ausdrücke zu wählen, einst ein Lehrer in Israel sein wird; das traf auch zu. (Pesachim 3 b). Die Vorsehung bewirkt etwas Angenehmes durch einen verdienstvollen Menschen, etwas Unangenehmes durch einen Sünder13 (Sifre 68). 1 בשמת טבי עבדו (של רבן גמליאל) קבל עליו תנהומין. 2 תלמיד חכם •*•אל יסב בחבורה של עמי הארץ ואל יכבס באחרונה לבית המדרש ויש אומרים אף לא יפסיע פסיעה גסה. 3 תלמיד חכם צריך שיהיה צבוע. 4 כל תלמיד חכם שאינו קשה בברזל איבו תלמיד חכם. 5 (כל מקום תלמידי חכמים י בטלים (מן המלאכה בתשעה באב. 6 .לא עבד איוב את המקום אלא מיראה .. .► מאהבה עשה אוהב את הבריות ד. , 8 כל שאפשר לו לבקש רחמים על חברו ואיבו מבקש בקרא חוטא **•אט תלמיד הכם הוא צריך שיחלה עצמו עליו. 9 .עושה צדקה בכל עת י. ״ זה הזן בניו ובנותיו כשהן קטבים כל אדם (יהודי) שאין לו אשה "אינו אדם סב. u יראת ה'טהורה זה הלומד תורה בטהרה. 12 מפני מה בוצרין בטהרה ואין מוסקין בטהרה י * מפני מה בוצרין בטהרה ומוסקין בטימאה. . 13 מגלגלין זכות על ידי זכאי וחובה על ידי חייב.

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