Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Der Talmid Chacham
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 292 (sequence 2)
- Language
- German
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■ 292 lernt, ohne sich darin einzuüben. Es ist nichts als ein;,,Jagen nach Wind“; d.!,sein (eitles) Streben Mechiltakundiger בר &בילאן genannt zu werden. Besser ist der, welcher Halachoth und Middoth lernt und sie einübt, als der, welcher Halachoth, Middoth und Talmud lernt, ohne sie einzuüben. Es ist dies nichts als ein ״Jagen nach Wind“, d. i. sein (eitles) Streben 1בר אולפן genannt zu werden. Aus dem Anfang der eben zitierten Stelle geht unmittelbar hervor, daß הלכות den ganzen Mischnastoff bedeutet2 und ein Talmid Chacham, der nicht bloß zwei Ordnungen, sondern הלבות, &. i. alle sechs Ordnungen, gelernt hat, בד הילכאן genannt wurde. Hatte nun der Talmid Chacham den Halachastoff, d. i. die von R. Juda dem Patriarchen festgesetzte Misclina, vollendet, so schritt er zur Erlernung der Middoth, was wohl den tannaitischen Midrasch bedeutet,.von welchem sich ein Sonderwerk in der aram. Bezeichnung סביילתא erhalten hat. Ein Kenner des tann. Midrasch wurde בר סכילאן genannt. Nach Vollendung des tannaitischen Lehrstoffes (Mischna und Midrasch) schritt man erst zur Erlernung der amoräischen Lehrsätze, und daraufhin erwarb sich der Talmid Chacham den Titel בד אולפן. Selbstverstündlich hatte jeder Talmid Chacham das Bestreben, den ganzen Studiengang durchzumachen3. Demselben Studiengang begegnen wir mit einer mehr ins Einzelne gehenden Aufzählung der Disziplinen Schebuoth 41b. Bei Entscheidung eines Prozesses weist R. Nachman in etwas scherzhafter Weise auf R. Schescheth hin und sagt, ״z. B. ich und R: Schescheth, die wir gelernt haben Halachoth (Mischna), Sifra, Sifre, Tosefta und den ganzen Talmud“4. Da die Aneignung des Lehrstoffes größtenteils unmittelbare Schularbeit war, so erklärt sich auch die große Wichtigkeit, die man dem fleißigen Aufenthalt in der Schule beigelegt hat. Es brachte5 einst ein Heide Fische ins Haus R. Gamliels an einem Feiertag. R. Gamliel erklärte, sie wären wohl gestattet, doch ich übernehme sie• nicht. Die Worte ״sie wären wohl gestattet“ lassen zwei Erklärungen zu. Nach Rab sei am Feiertag bloß die Uebernahme gestattet, nicht aber auch der sofortige Gebrauch dieser Fische; Levi hingegen meint, daß auch das Essen derselben für sofort gestattet sei. Dazu fügt Rab Folgendes hinzur Man soll vom Lehrhaus nicht eine Stunde wegbleiben, denn ich und Levi waren vor Rabbi (R. Juda I), als er seine diesbezügliche Lehrmeinung ausgesprochen hat. Am Abend hat er gesagt, daß sie zum Essen gestattet seien, am Morgen aber sagte er, daß bloß die ״Uebernahme gestattet sei (nicht aber 1־ Bezüglich des Wortes בר אולפן s. Bacher; Terminologie II, 7. 3 S. Boffmann: Zur Einleitung, S. 12, Anm; 2, und S. 13, Anm. 3. Unter דילכתא ist ohne Zweifel unsere Mischna gemeint. . 3 Das ״Thora-Studium“ war besonders hoch geschätzt: :ותלמוד תורה כנגד בולם (Pes 1-jJ. König David soll nach talmudischer Auffassung niemals das Thorastudium unterbrochen haben דלא הוה מסק פומיא מגירסא (Schabbaft 30b}. 4 אבא ורב ששת דתגיבא הילבתא וספרא ומפרי דתוספתא וכולי הגמרא. 5 Die T. Gh.. sind Tag und Nachtvim Lehr- und Bethaus :תלמידי תכמים שמשכימין ומעריבין בבתי כנסיות ובבתי מדרשות (Megila 15b). Sie verscheuchen den Schlaf aus ihren Augen תלמידי תכמים שמנדדין שינה מעיניהם (B. B. 10a.) Simeon b. Lakisch behauptete, die Nacht sei zum Lernen am meisten geeignet, sie sei gewissermaßen, dazu geschaffen א׳ ד׳ שמעון בן לקיש לא.איברי סיהרא אל» לגירסא (Erubin 65a). Nur der kann im Lernen etwas erreichen, der sich der Wissenschaft vollkommen widmet אמר ריש לקיש אין דברי תורה מתקיימים אלא במי שממית עצמו עליה., r. Sira schwächte ab vom Lernen רבי זירא - - הוה הליש מגרסיה. r