Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · Heft 4 · p. Seite 287

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
68 (1924)
Issue
Heft 4
Article
Gott und Pharao
Date
1924-01-01
Page
Seite 287 (sequence 20)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829921-2829926-2832351--45912-2832404
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

287■ seltenen העניק von ענק Halskette, Halsgeschmeide (Ri 826, H L 49, Spr 19 cfr. Ps 736). Das Wort klingt nach höchstem. Altertum Wie etwa מגדנות, מהר u. ä., und die Sache wird so alt sein, wie überhaupt das Dienstverhältnis. Sie entspricht einem rein menschlichen .Empfinden und atmet in ihrer patriarchalischen Noblesse echt semitischen und israelitischen Geist. Die Mitgabe bestand also in alter Zeit aus Schmucksachen, sie war buchstäblich ein ,,Angebinde” als Abschiedsgeschenk. Sie־ ist das Gegenstück zu dem Durchbohren des Ohres bei dem Knechte, der aus Liebe zu seiner Familie, die er zurücklassen mußte und zum Hause seines Herrn erklärt hat, daß er nicht frei ausgehen sondern im Hause, verbleiben wolle. Dieses durchbohrte Ohr ist sowohl Symbol des Gehorsams als der Liebe (,,ich liebe meinen Herrn und sein Haus” Ex 215, Dt 151G). Es steht in einer Reihe mit dem Ring, der Halskette, dem goldenen Diadem (ציץ) auf der Stirn des Hohenpriesters, dem Priesterkleid, der Pfostenschritt (Mesusot), den Schaufäden mit der himmelblauen Schnur anÄ Gewände (Zizit) und der Devise auf Stirn und Hand (Totafot) und|schließlich auch der Beschneidung. Sie alle sollen bezeugen, wem man sich geweiht hat und in Gehorsam aus Liebe untertan sein will. Denn אהבה ist stets auch יראה und Liebe Gehorsam. Wie nun der Knecht, der bleiben will, an seinem Leibe ein Symbol der Liebe zu seinem Herrn auf sich nimmt, so soll auch der Knecht, der entlassen wird, von seinem Herrn ein Zeichen der Zuneigung und Dankbarkeit mitbekommen, und darum ist ihm auch nach der Ablösung, durch Naturalien, die es übrigens nicht auszuschließen brauchten, die ursprüngliche Bezeichnung als Schmuck geblieben. Nicht bloß dem verbleibenden Knecht soll man seine Liebe zum Herrn, sondern auch dem entlassenen den wohlwollenden und freigebigen Herrn ansehen können und mit Stolz soll er auf die Gaben aus dem Herrenhause hinzeigen dürfen. Das sind die Go Id- und Silbersachen und Gewänder, die der zur Entlassung aus Aeg.ypten gelangende Knecht Israel bei seinem Fortgange mitbekommt. Darum werden sie stets als ein beim Auszuge, wesentlicher Umstand betont, und bei der ersten Ankündigung einstiger Knechtschaft gleichsam als Trost schon das reiche Geschenk beim'Auszuge mitverheißen. Und weil die הענקה eine freiwillige Bezeugung der Beliebtheit ist, die der Knecht sich zu erwerben verstand, gab Gott (auf den schließlich das irrationale Verhältnis der Gunst (p, auch dieses Wort erinnert an das Dienstverhältnis, zurückgeführt werden muß) dem Volke Israel Gunst in den Augen der Aegypter so daß sie ihm einen Abschied voll Herzlichkeit und Liebe bereiteten. Nicht zuletzt wirkte die hoheitsvolle Persönlichkeit ihres Führers Mose mit, der in Aegypten so dasteht (113) wie Abraham unter den Hettitern, als ein Gottesfürst (נשיא אלהים), ob er doch gleich nur ein Fremdling und Beisaß (גר ותושב) war. Genau dieselben Dinge: Silbersachen, Goldsachen (womit natürlich nicht Kochtöpfe, sondern allerlei Geschmeide gemeint;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.